So zumindest bewirbt Heckler & Koch sein Maschinengewehr. Hier geht es jedoch um eine andere Alltagswaffe, dem Elektrokombi MG5 ELECTRIC.

Als ehemals traditionsreiche britische Automarke lässt der chinesischen Hersteller SAIC also MG wieder aufleben. Mit Europa meistgesuchtem Familienwagen: dem Kombi. Kombi? Ja, richtig gelesen! Warum diese Frage so relevant ist? Weil sich unter den mittlerweile angebotenen E-Autos vor allem Kleinwagen, SUVs, Vans sowie Kleintransporter befinden. Allein der steten Nachfrage einem praktischen elektrische Kombi wird heuer kaum nachgekommen.

Bereits in China & Großbritannien schon länger erhältlich, wurde die derzeitige Version des MG5 ELECTRIC in Europa erst seit März 2022 in den Verkauf geschickt. Daher reden wir bereits beim Marktstart vom Facelift mit futuristischer Anmutung.

Ab sofort steht also ein 4,60 Meter langer Elektrokombi mit einer maximalen Reichweite von 400 Kilometern beim Händler.

Laut der Firmenzentrale in Deutschland habe „Der weltweit erste rein elektrische Kombi das Potenzial eines attraktiven Angebotes für Familie, Freizeit und Beruf“. Wir durften den eTOUR Praxistest machen und haben unseren Tausendsassa Friedrich Brandstetter auf die Mission E: possible! geschickt. Ehrlich und glaubwürdig beschriebt er hier seine Erkenntnisse.

Erster Eindruck – Friedrich ist begeistert

Die Lackierung ist perfekt. Die Spaltmaße sind für mich als absoluten Emobility Kenner ein Horror. Aber das sagen auch andere von anderen Fahrzeugen. Innen werde ich vorab positiv überrascht. Türgriffe, an welchen man sich nicht die Finger bricht.

Die Einrichtung aus Kunstleder nehme ich als sehr hochwertig wahr. Der erste Eindruck zum Sitzkomfort ist gut, die Rundumsicht vollkommen ok. Hier schätze ich die perfekten Spiegeleinsichten. Dankbar nehme ich auch die haptischen Tasten unterhalb des Displays an, welche ansprechend groß und damit leicht zu bedienen sind. Nur während einer später laufenden Navigation bleibt die Klima-Taste bei Druck ohne Funktion und reagiert erst nach einem Umweg über den Homescreen. Das später ein kompletter Ausfall der Armaturen für 100 km kommen wird, weiss ich hier noch nicht.

Die Sitzprobe im Fonds bietet uns eine großartige Fußfreiheit.

Innenraum und Haptik

Die günstigen Materialien sehen optisch hervorragend aus und sind prima verarbeitet. Die Haptik erscheint hochwertig. So soll es sein.

Das Infotainment erscheint aufgeräumt minimalistisch und agiert entsprechend direkt und schnell. Dazu sind zusätzlich Android Auto und Apple CarPlay mit an Bord.

Platz und Praxistauglichkeit

Noch mehr als bei anderen Bauformen stehen beim Kombi das Platzangebot und die Variabilität im Vordergrund. Schließlich sind das die Stärken eines Kombis. Der MG ist mit einer Länge von 4,60 Metern nur wenige Zentimeter kürzer als ein VW Golf Variant. Das Platzangebot fällt jedoch leider etwas geringer aus.

Erwachsene finden im Auto überall bequem Platz. Hinten ist der Platz etwas schmaler. Das erschwert es, die Füße darunter zu schieben. Allerdings ist das auch gar nicht nötig, weil die Beinfreiheit sehr gut ist.

Bei der Kopffreiheit haben es Erwachsene hinten erst ab einer Körpergröße von rund 1,85 Meter etwas ungemütlich. Kindersitze sind an die typischen ISOFIX-Halterungen fixierbar – dafür ist es ja der langersehnte Kombi.

Das Kofferraumvolumen von 479 Litern bei aufrechtstehender Rückbank geht in Ordnung. Die Rückbank lässt sich leicht umklappen und auch die Hutablage einfach entnehmen und platzsparend im Kofferraum ablegen. Das Ladekabel kann unter dem Ladeboden vernünftig und platzsparend deponiert werden.

Weitere Staufächer finden sich links und rechts an den Türen sowie unter der Mittelarmlehne.

Richtig gut ist auch die Übersicht im MG5 ELECTRIC, die bei vielen Elektro-SUVs insbesondere aufgrund dicker C-Säulen viel zu kurz kommt. Vorne ist der Kombi gut einsehbar, obwohl die Motorhaube anfangs schwierig in der Länge einzuschätzen ist.

Fahren & Dynamik

Zum Marktstart im März 2022 erhielt der MG5 ELECTRIC einen 61,1-Kilowattstunden-Akku mit einer WLTP-Reichweite von 400 Kilometern. Hier treibt ein 115 kW (156 PS) und 280 Newtonmeter starker Elektromotor beide Vorderräder an. Später wird eine Version mit 50,3-kWh-Batterie und einer WLTP-Reichweite von 320 Kilometern hinzukommen. In beiden Fällen liegt die Höchstgeschwindigkeit ident bei 185 km/h mit einer Beschleunigungszeit von 0 auf 100 Kilometern pro Stunde von 8,3 Sekunden.

Das Abstandhaltesystem funktionierte meist einwandfrei. Der Antritt war in allen Fahrmodi – selbst im ECOModus – stark. Die Auswahl ist denkbar einfach über einen der beiden auf der Moittelkonsole befindlichen Taster zu handeln. Der andere bestimmt über die drei verschiedenen Rekuperationsstufen.

Die Sitze bieten ihrerseits manchmal nicht den notwendigen Seitenhalt. Bei langer FAhrt bemerke ich ein Schwitzen aufgrund des Kunstleders. Hier muss MG dringend Abhilfe schaffen. Die Geräuschkulisse wir bei hohem Tempo exorbitant laut. Im oberen Bereich der Windschutzscheibe und an den A-Säulen machen sich Luftumwirbelungen bemerkbar. Das Fahrwerkhandling war auf den Bergpassagen präzise und komfortabel. Der Komfort und die Präzision werden gefühlsmäßig bei höherer Geschwindigkeit schlechter.

Ladestruktur

Während der MG5 ELECTRIC an der heimischen Wallbox mit den üblichen 11 kW geladen werden kann, sind es am DC-Schnelllader maximal 87 kW. Laut Hersteller werden 40 Minuten für eine Ladung auf 80 Prozent benötigt.

Die Reichweite der verschiedenen Versionen des MG5 ELECTRIC reicht abhängig von Batteriekapazität und Reifengröße für 310 Kilometer beim 50,3 kWh Akku in Verbindung mit 17-Zoll-Bereifung bis zu 400 Kilometer für die 61,1 kWh Batterie in Kombination mit den 16-Zoll-Leichtmetallfelgen.

Tatsächlich bleiben diese Werte auch im Praxistest etwas unrealistisch und der MG5 ELECTRIC kann die WLTP-Verbrauchswerte innerorts nicht unterbieten. Unser Verbrauch pendelt sich bei 19,0 kWh/100km ein.

Als eines von wenigen bislang erhältlichen E-Autos besitzt der MG5 ELECTRIC aber eine Vehicle-to-load-Funktion.

Mit einer Länge von 4,60 Meter, einer Breite von 1,82 Meter und einer Höhe von 1,54 Metern ist der MG5 ELECTRIC ungefähr so groß wie ein VW Golf Variant. Das Kofferraumvolumen fällt mit 479 Litern etwas kleiner aus. Bei Bedarf sind maximal 1.367 Liter drin – ein durchaus ordentlicher Wert im Vergleich zu anderen Kombis, und für den Alltagsgebrauch in der Regel ausreichend.

Sicherheit

Für die Sicherheit sorgen zahlreiche Assistenzsysteme. Dazu zählen Notbremsassistenz mit Auffahrwarnung. Die adaptive Tempo- und Abstandsregelung arbeitet meist zuverlässig, um das Tempo dynamisch anzupassen, wenn andere Fahrzeuge vorausfahren.

Der Spurhalteassistent funktioniert im Test auf der Autobahn gut, verliert auf Landstraßen und im Stadtverkehr jedoch öfter die Linienführung oder bleibt nicht mittig in der Spur. Die Verkehrszeichenerkennung zeigte bei digitalen Schildern oder solchen Verkehrszeichen, die nur für andere Spuren galten, einige Schwächen.

Künftige Software-Updates durch MG könnten allerdings die letzten Fehler bei der Spurhalteassistenz und Verkehrszeichenerkennung noch bis zur Serienproduktion ausmerzen.

Der MG5 ELECTRIC verfügt über automatisch aufblendende LED-Scheinwerfer.

Fazit

Der MG5 ELECTRIC ist ein Elektroauto mit viel Platz zu einem konkurrenzfähigen Preis.

MG hat die Nische erkannt und bringt mit dem MG5 ELECTRIC den bis dato ersten und einzigen Elektro-Kombi auf den Markt.Seine Stärke liegt am Transport von bis zu fünf Leute plus Gepäck von A nach B. Mit einer Länge von 4,60 Metern platziert MG den MG5 ELECTRIC mitten im Kompaktsegment und nur wenige Zentimeter unterhalb eines VW Golf Variant oder Skoda Octavia Kombi. Besonders interessant wird der MG5 ELECTRIC durch seinen Preis. Er ist weitaus günstiger als die sonst gängigen Kompakt-SUVs. Selbst ein VW ID.3 bedarf höherer Investitionskosten.

Erhältlich ist der MG5 ELECTRIC in zwei Ausstattungslinien. In der Linie „Comfort“ erhält man eine Klimaanlage, LED-Scheinwerfer und -Rückleuchten, eine Parkhilfe, ein digitales 7-Zoll-Display, Leichtmetallfelgen in 16 Zoll und die Funktion des schlüssellosen Öffnens. Die „Luxury“-Linie bietet weitere Features wie eine Klimaautomatik, ein größeres Display, eine Parkkamera mit 360 Grad und einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz (mit Lendenwirbelstütze!).

Mit der zugelassenen Stützlast von 50 kg und einer Anhängelast von 500 kg sind zudem entweder einen Fahrradträger mit zwei Rädern oder ein kleiner Anhänger nutzbar. Ein wesentlicher Aspekt im Familienbetrieb.

MG gibt seinen Kunden 7 Jahren Herstellergarantie bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern. Solch lange Garantien gibt es derzeit bei nur sehr wenigen anderen Herstellern wie beispielsweise KIA.

Mehr Infos unter MG

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