Subaru steht für Allradantrieb und für Boxermotoren

Im Sommer 2019 kündigten Subaru und der Anteilseigner Toyota eine gemeinsame Entwicklung von Elektroautos an. Subaru bringt hier die Kernkompetenz in Sachen Allradantrieb ein.

Das erste Modell, der von uns gefahrene Solterra die E-Plattform „E-TNGA“ (Electric Toyota New Global Architecture). Das Wort „Solterra“ setzt sich aus den im heutigen Kontext so gewichtigen lateinischen Begriffen „Sol“ (Sonne) und „Terra“ (Erde) zusammen. Damit will Subaru seinen ureigenen Respekt vor der Erhalktung der Natur ausdrücken und so auf bessere Umweltbilanzen eines Elektroantriebs hinweisen.

Ausgewachsen

Das ausgewachsene Mittelklassemodell mit 4,69 Metern Länge sieht mit auffälligen Umrandungen der Radkästen und der kantigen Karosserie sehr nach SUV aus, ohne mit einer hoch aufragenden Karosserie gesegnet zu sein. Heute nennt man diese Form „Crossover“. Ich schreibe hier und jetzt: danke dafür! Welch Kanten im Gegensatz zu manch „benutzter Handkernseife“ derzeit.

Allgemeines

Im Gegensatz zum Toyota gibt es den Subaru nur mit Allradantrieb, der über zwei Elektromotoren mit jeweils 80 kW/109 PS realisiert wird. Die Systemleistung beträgt 160 kW/218 PS, die Reichweite soll laut Hersteller bei 466 Kilometern liegen.

Bereits in der Einstiegsversion „Comfort“ sind unter anderem schon Scheinwerfer, Tagfahr- und Fernlicht, Nebelscheinwerfer und Rückleuchten in LED-Ausführung verbaut. Die rein elektrisch öffnende Heckklappe erleichtert das Einladen und mit der Sitzheizung vorne friert selbst die Ehefrau nimmer im Winter.

Sehr nobel erscheint uns die auch von einigen Ford Modellen bekannte 360-Grad-Panoramakamera an Bord. Wir durften den „E-xperience+“fahren, wo wirklich alles bereits im Paket enthalten scheint – generell gibt in Österreich noch die Variante „E-xperience“.

Die Ausstattungsvarianten „Comfort“, „Platinum“ und „Platinum Plaus“ sind in Deutschland verfügbar.

Was zu erwarten wäre

Bereits in der mittleren Ausstattung Platinum bekommt man bereits große 20-Zoll-Alufelgen, ein Harman/Kardon Audiosystem, eine Lenkradheizung, eine LED-Ambientebeleuchtung, beheizbare Sitze vorne und hinten. Von der enthaltenen Memory Funktion für die Sitze ganz zu schweigen.

Erster Eindruck

Der Toyota Clone ist 4,69 Meter lang, 1,86 Meter breit und kommt auf eine Höhe von 1,65 Meter. Den Radstand des Fünfsitzers gibt Subaru mit 2,85 Meter an. Dass der Solterra auch ein wenig Gelände kann, unterstreicht die Bodenfreiheit von 21 Zentimetern. Die Bodenfreiheit beträgt 21 cm, der Rampenwinkel 18,2 Grad, und auch die Böschungswinkel vorne (17,7 Grad) und hinten (25,4 Grad) veröffentlicht der Hersteller ganz selbstverständlich. Der Subaru Solterra ist in jeder Hinsicht auf Sicherheit und wagemutige Ausflüge ins Gelände ausgelegt.

Der Kühlergrill zeigt sich weitgehend geschlossen, die Radläufe und Karosseriekanten sind stark mit Kunststoff beplankt. Ich finde das Aussehen umwerfend – wirklich! Wie verstecke ich das Fahrzeug nur vor der Rückgabe?

Fahren

Die beiden E-Motoren an Vorder- und Hinterachse leisten zusammen 160 kW/218 PS und entwickeln ein maximales Drehmoment von 337 Nm. Damit ist das SUV vollkommen ausreichend motorisiert, der Wunsch nach mehr Leistung kommt kaum auf. Von 60 auf 100 km/h geht es in 4,0 Sekunden, von 80 auf 120 km/h in 5,1 Sekunden. Subaru verspricht für den Sprint von 0 auf 100 km/h 6,9 Sekunden.

Bei Bedarf geht es zügig vorwärts, und so fühlt es sich auch an. Ein kurzer Tritt auf das rechte Pedal genügt, und ein Überholvorgang ist im Handumdrehen erledigt. 

Der Solterra beschleunigt vom Start weg nachdrücklich, gibt seine Leistung gleichmäßig ab und lässt erst bei Autobahntempo ab ca. 130 km/h nach. Die Höchstgeschwindigkeit wird zugunsten des Stromverbrauchs bereits bei 160 km/h elektronisch abgeregelt, hier lassen einige Konkurrenten deutlich mehr zu.

Beim Ausweichen verhält sich der Solterra sehr souverän und sicher. Der Solterra punktet mit einer guten Fahrstabilität, die sich in einem stabilen Geradeauslauf, geringen Lastwechselreaktionen sowie einer – dem Subaru-typisch serienmäßigen Allradantrieb sei Dank – tadellosen Traktion manifestiert.

Die Winterreifen lassen die letzte Präzision vermissen. Doch der Fahrspaß bleibt. Es gibt zwar die Option zum One-Pedal-Drive. Alternativ kann über Wippen am Lenkrad die Rekuperation in vier Stufen justiert werden; ich wähle in solchen Fällen immer die geringste.

160 kW Systemleistung mögen im Vergleich der Elektroautos nicht rekordverdächtig sein. Jeder sollte sich fragen, was er im Alltag tatsächlich braucht. Der Solterra schiebt mächtig gut an.

Bereits innerorts spricht die Federung auffallend sensibel auf Unebenheiten an, und dies trotz der serienmäßigen 20-Zoll-Räder, die in der Regel für ein steiferes Abrollverhalten sorgen. Außerorts und auf der Autobahn liegt das Fahrzeug ruhig auf der Straße und sorgt für einen angenehmen Langstreckenkomfort. Wirklich klasse ist die niedrige Geräuschkulisse des Japaners.

Reichweite und Elektrik

Der Solterra kommt immer mit Allradantrieb. Zwei jeweils 109 PS starke Elektromotoren an der Vorder- und Hinterachse treiben den Wagen an. Eine 71,4 kWh-Batterie kann genug Strom für eine Reichweite von bis zu 466 Kilometern speichern. Eine Wärmepumpe ist serienmäßig verbaut, was bedeutet, dass die Batterie schonend auf Temperatur gebracht wird, was große Reichweitenverluste bei kalten Temperaturen verhindert.

Wer schnell laden möchte, kann das mit bis zu 150 kW tun. Hier ist die Batterie in 30 Minuten wieder zu 80 Prozent aufgeladen.

Die im Unterboden platzierte Lithium-Ionen-Batterie bietet eine Kapazität von 71,4 Kilowattstunden. Der gut 1,9 Tonnen schwere Fronttriebler soll damit nach WLTP-Norm bis zu 500 Kilometer weit kommen. Mit dieser Batteriekapazität sollte ein großer Aktionsradius möglich sein. Subaru spricht hier von einer – sagen wir mal sehr optimistisch berechnet (!) – Reichweite von 416 (mit Ausstattung „Platinum Plus“) bis 466 Kilometern („Comfort“) nach dem Normprüfverfahren WLTP

Gemessene wurden teilweise 145 kW Ladeleistung, aber nur für wenige Minuten. Danach flachte die Ladekurve rapide wieder ab, sodass bei einem Lade Hub von 10 auf 80 Prozent eine durchschnittliche Ladeleistung von 93,7 kW gemessen werden konnte. In 30 Minuten kam der Solterra von 10 auf 77 Prozent Akkustand (SoC, = State of Charge) im Test, nachgeladen wurden in dieser Zeit 41,9 kWh.

Innere Werte

Meiner Ansicht nach ist mit dem Solterra ein erstklassiges Auto konstruiert worden ist. Der Solterra passt insgesamt. Auch die Anordnung des Lenkrads im umstrittenenen Peugeot-Stil funktioniert sehr gut. Ich schaue über das kleine Lenkrad auf den Tacho, welcher leicht in Richtung Windschutzscheibe versetzt ist. Die Bedienung ist klar und aufgeräumt. Ein Head-up-Display gibt es nicht, und ich vermisse es nicht. Im Gegenteil, die Redundanz der Anzeigen in vielen modernen Autos ist mir unangenehm.

Zwar hat der Subaru etliche Druckschalter, aber hierauf kann ich mich genauso einlassen wie auf die reine Touchbedienung in einem Tesla. Die Sprachbedienung des Solterra ist ebenso feinfühlig.

Für den Innenraum sieht Subaru die neueste Version von Infotainment und Konnektivität vor. Mitten auf dem Armaturenträger installieren die Japaner einen 12,3 Zoll großen Touchscreen Android Auto und Apple CarPlay sind ebenso an Bord wie die Möglichkeit, Smartphones kabellos zu laden und einige Autofunktionen per App fernzusteuern. Der Kofferraum fasst bei aufgestellter Rücksitzlehne zwischen 453 und 497 Liter.

Das Platzangebot ist insgesamt mehr als gut – gar üppig, so dass sich hinten jedenfalls Erwachsene mit ausgestreckten Beinen langmachen können. Zumal trotz Allradantrieb keine Kardantunnel-Auswölbung den Fußraum einengt. Vorne sitzt man sowieso alles andere als beengt.

Sicherheitsausstattung

Das bei Subaru traditionell „Eye-Sight“ genannte Assistenzpaket umfasst Technologien wie einen Totwinkelwarner mit Spurwechselassistenten und ein System, das beim Rangieren rückwärtig kreuzenden Verkehr erkennt und an das eine Automatikbremse integriert ist, falls beim Einparken ein Hindernis erkannt wird. Der Solterra verfügt als erster Subaru überhaupt zudem über eine optionale 360-Grad-Rundumsicht-Kamera und einen sehr rasch agierenden Warner, der mich wirklich im Minutentakt getriggert hat. Nach langem Suchen des Grundes kam ich darauf, dass die Hand oben am Lenkrad das Problem war. Die LED-Scheinwerfer arbeiten serienmäßig mit einem Fernlicht-Assistenten zusammen und haben eine großartige Lichtausbeute.

Für die aktive und passive Sicherheit stehen uns zahlreiche Fahrassistenzsysteme zur Verfügung. Neben dem Notbremsassistenten samt Fußgängererkennung sind ebenso ein aktiver Spurhalteassistent, eine Verkehrszeichenerkennung, ein intelligenter Geschwindigkeitsbegrenzer, radargestützter Totwinkel-, Spurwechsel- und Querverkehrsassistent sowie ein Paket aus Aufmerksamkeits- und Müdigkeitswarner vorhanden.

Und der Vollständigkeit halber: das Sicherheitssystem bei Subaru ist überlicherweise EyeSight. Aber im Solterra greift man auf das System „Safety Sense“ zurück. Das funktioniert mitells Mono-Kamera in Verbindung mit Radar-Sensoren, wobei EyeSight mittels Stereokamera an der Windschutzscheibe arbeitet. Hier werden verschiedene Assistenzsysteme miteinander verknüpft und sorgen somit für größtmögliche Fahrsicherheit.

Überhaupt, der Alltag: Hier war die Spurmittenführung auffällig gut. Ein wichtiges Kriterium für mich ist, dass ich die Fahrhilfe nicht ausschalte. Wirklich gute funktionierte es auf der Landstraße. Vielleicht ist jenes System generell besser als bei einigen Mitstreitern, weil unter den Außenspiegeln gleich zwei Kameras pro Seite angebracht sind. Ich gehe davon aus, dass die eine für die 360-Grad-Kamera zuständig ist und die andere den Seitenstreifen „beobachtet“. Die Rundumsicht-Darstellung arbeitet beim Einparken mit einer hohen Auflösung und ist in allen Ausstattungslinien serienmäßig.

Unser Testwagen hat ein Panoramadach. Geschlossen sperrt es die Sonne komplett aus und unterdrückt Windgeräusche wirksam. Ds Glasdach bringt jede Menge Licht herein. Die elektrische Sonnenschutzblenden können wir durch einfache Sprachbefehle öffnen – mega!

Der Solterra verfügt über den bekannten „X-Mode“, welcher eine kontrollierte Fahrt durch wetterbedingte Gegebenheiten wie Tiefschnee oder Schlamm ermöglichen soll. Die Funktion „Grip Control“ soll bei Steigungen und schraffen Untergründen die Fahrtgeschwindigkeit konstant halten. Von außen am Fahrzeug angebrachte Kameras sollen eine Rundumsicht über ein zentrales 12,3-Zoll-Display ermöglichen. Außerdem befindet sich im Interieur hinter dem Lenkrad eine 7-Zoll-Anzeige für Fahrinformationen, unter anderem mit digitalem Tacho.

FAZIT

Der Solterra ist hochwertig verarbeitet, logisch konstruiert und fährt sich zugleich direkt und komfortabel. Das gefällt mir genauso wie die Fahrassistenten. Ich gebe zu, die Marke war mir persönlich stets sympathisch. Der Stromverbrauch in Verbindung mit der zu geringen Ladegeschwindigkeit aber sind noch unangemessen. Es scheint, also wolle der Konzern, der 2022 die meisten Autos weltweit gebaut hat, weiterhin nur zaghaft Elektroautos verkaufen. Das fällt auf Subaru zurück – und muss schnell geändert werden.

Wir haben versucht, zumindest etwas die Geländetauglichkeit mit den Fotos unter Beweis zu stellen.

Und ja, lieber Matthias: du wirst deinen neuen Firmenwagen lieben. Reichweitenprobleme sind Phantomschmerzen – glaube mir!

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