Unterwegs im Kia Niro Plug – In Hybriden

Generelles

Der Nachfolger des 2016 auf dem Markt erschienenen Kia Niro zeigt optisch ein großes Potential an Selbstbewusstsein. Ausdrucksstarke Front, große Heckleuchten im Bumerang-Design und die freche C Säule – manchmal auch als Kontrastfarbe erhältlich.

Was bleibt uns in Erinnerung nach zwei Wochen mit dem praktischen Crossover-SUV und lohnt sich ein Kauf des Kia Niro Plug-In Hybrid?

Erster Eindruck

Rot steht er da. SO schön. Leider musste anfangs der Wischwasserschlauch noch ersetzt werden, da hatte wohl ein Nager etwas zum Fressen gern. Aber das nur am Rande.

Auffallend ist vorab die als aerodynamische Finesse bezeichneten C-Säule. Spezielle Öffnungen lassen nämlich die Luft, die die Karosserie eng umfließt, vorn in die C-Säule hinein- und hinten wieder herausströmen. Dadurch verwirbelt die Luft am Heck weniger, die Säule macht das Fahrzeug strömungsgünstiger und sorgt damit letztlich für eine etwas größere Reichweite. Nichts mehr vom Babyface der ersten Generation. Dennoch Understatement pur.

 Innenleben

Der Materialmix im Innenraum ist ebenso stimmig wie der Antrieb. Haptik und Bedienungsfreundlichkeit stehen den Menschen im Vordergrund. Jene allerdings stimmt wie eh und je bei Kia. Die Bedienung des Infotainments gelingt nach kurzer Eingewöhnung ohne Probleme. Und wer auf die gewohnte Benutzeroberfläche seines Smartphones nicht verzichten möchte, kann natürlich Apple Car Play oder Android Auto einbinden, nona.

Darüber hinaus bietet das Interieur viel Bewegungsfreiheit im Innenraum. Die schlanken Vordersitze bieten guten Seitenhalt und werden elektrisch auf die individuellen Bedürfnisse eingestellt.

Den Fondpassagieren verschafft Kia so einige Zentimeter an Beinfreiheit. Den direkten Vergleich mit dem größeren Sportage braucht der Niro in Punkto Sitzgefühl nicht scheuen. Allein beim Kofferraum sind hier einige Abstriche zu machen.

Technik & Sicherheit

Der Niro lädt seine 11,1 kWh große Batterie mit maximal 3,3 kW auf. Hier entgeht man zwar die Schieflastverordnung (einphasiges Laden bei 230 V mit maximal 4,6 kW), dafür dauert es in Folge aber länger, um den Akku wieder voll zu bekommen.

Kia gibt eine Reichweite von bis zu 59 Kilometern an. Fährt man mit voller Batterie los und zügelt seinen Stromfuß etwas, erweist sich eine elektrische Reichweite von etwa 50 Kilometern als unglaublich realistisch. Dazu trägt auch die Energie-Rückgewinnung beim Fahren bei. So lässt sich beim Niro die Stärke der Rekuperation mithilfe der bekannten Lenkradpaddels in drei Stufen wählen. Jedoch: nur im Eco-Modus.

Der reine Stromverbrauch inklusive Ladeverluste lag im bei 18,5 kWh je100 km. Für einen Plug-in-Hybrid ist das ein guter Wert.

Fährt man im Hybrid-Modus (Batterie leer oder Ladung wird gehalten), pendelt sich der Kraftstoffverbrauch bei ca. 5,5 l Super pro 100 km ein. Kombiniert man die elektrische Strecke mit der Hybrid-Strecke und startet bei vollgeladener Batterie, verbraucht der Niro Plug-in auf den ersten 100 km in Etwa10,0 kWh Strom und 2,7 l Super.

Highlights wie Voll-LED-Scheinwerfer und ein Harman/Kardon-Soundsystem sind hier ebenso enthalten wie sicherheitsrelevante Assistenzsysteme. Dazu gehören der Spurhalteassistent oder der aktive Totwinkelwarner. Besonders stark agiert der Autobahnassistent. Kia ist hier einigen Herstellern weit voraus. Letzterer sorgt mittels Radarsensoren für einen einstellbaren Sicherheitsabstand zum Vordermann und unterstützt das Lenken, indem er den Niro mittig in der Fahrspur hält.

Ebenfalls an Bord waren ein Glasschiebedach, Sitzheizung und -belüftung vorne sowie Sitzheizung hinten.

Toll ist stets die 220-Volt-Steckdose im Fond. So kann jederzeit die Kühlbox ohne Trafo angeschlossen werden. Der Auffahrassistent beim Rückwärtsfahren und der von Kia bekannte Remote-Parkassistent per Fernbedienung waren auch anbei.

Fahrgefühl

Das Fahrgefühl empfanden wir als angenehm und ruhig. Der laufruhige 1,6-Liter-Vierzylinder harmoniert sensationell gut mit dem 84,3 PS starken Elektromotor.

Im Sport-Modus vollzieht man mit den Schaltpaddels manuelle Schalteingriffe ins Automatikgetriebe. Sofern es einem danach gelüstet. Ja, es gelüstet. Manchmal schon, klar.

Ein komplett elektrisches Bremsen bis zum Stillstand (einfach das linke Paddel gezogen halten) ist beim Niro ebenso möglich, genauso wie ein automatischer Rekuperation-Modus. Jener passt sich je nach Fahrstrecke von selbst an. Dem Plug-in-Hybrid gönnt Kia zudem mehr Leistung: Statt vormals 141 PS leistet er nun stolze 183 PS, was zumindest die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h deutlich verbessert (9,6 statt 10,8 Sekunden), sich aber nicht auf die Höchstgeschwindigkeit auswirkt. Sie ist bei 168 km/h begrenzt.

Zwar hat man eigentlich nie das Gefühl untermotorisiert zu sein, dennoch liegt dem komfortablen Koreaner eher das entspannte Fahren als das Heizen. Auf der Landstraße hört man fast nichts vom Verbrennungsmotor. Dieser schaltet sich erst mit einem energischen Kickdown aufs Strompedal hinzu.

Die auswählbaren Fahrmodi sind Eco oder Sport. Reicht aber auch, denn im Alltag ist Eco vollkommen ausreichend und spart natürlich kostbaren Sprit beziehungsweise Akkuladung. Auf der Autobahn kann bei gefülltem Akku bis zu einer Geschwindigkeit von 134 km/h rein elektrisch gefahren werden. Erst bei höheren Geschwindigkeiten schaltet sich der 105 PS starke Benzinmotor zu und bringt den Niro auf eine theoretische Höchstgeschwindigkeit von 161 km/h. In der Praxis wären auch höhere Geschwindigkeiten möglich, aber in Österreich völlig undenkbar.

Wer dann aber beim Beschleunigen (zum Beispiel beim Überholen) die Extraportion E-Power spüren will, wird hin und wieder – über die im Lenkkranz gut positionierte Modi-Taste – Sport wählen. Und ja, wir wollten auch mal spüren, klar.

Dann zeigt der E-Motor, im Zusammenspiel mit dem unauffällig agierenden Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, die geringe Spritzigkeit des 105-PS-starken Verbrennermotors recht gut.

Spannend auch: Der Plug-in-Hybrid fährt – um Platz, Gewicht und Reibung zu sparen – flüsterleise stets allein im Elektrobetrieb.

Das liebe Geld

Die Ausstattung ist wie bei Kia generell gewohnt, sehr umfangreich und gut. Richtig teure Extras gibt es bei Kia nicht. In der Basisvariante für 38.890 EUR sind das 10,25-Zoll-Infotainment und die Sitzheizung noch kostenpflichtig, das Head-up-Display und diverse Assistenten nicht erhältlich. Im getesteten Platin ab 50.240 EUR waren alle Helferlein bereits serienmäßig integriert.

Das klingt viel, aber der Preis des Kia Niro Plug-in Hybrid stimmt in Summe. Wer sich die Mühe macht und einen vergleichbaren Golf GTE sucht, wird feststellen, dass dieser erst bei 53.00 EUR beginnt….

Fazit

Der Kia Niro Plug-in-Hybrid ist ein Auto für alle, die vor allem ein großzügiges Platzangebot und einen sparsamen Verbrauch schätzen, ohne dabei auf den neuesten technischen Schnickschnack verzichten zu müssen.

Auch stark: jeder Kia profitiert von der 7-Jahre/150.000km Neuwagen-Werksgarantie (bis zu 3 Jahre unlimitiert.

Mit realistischen 50 Kilometern elektrischer Reichweite, einer Vielzahl gut funktionierender Assistenzsysteme und einem Verbrauch um die drei Liter auf 100 Kilometer ist er mehr als ein Kompromiss: er ist einfach ein solides und großartig ausgestattetes Alltagsauto.

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