Der Kia EV 6 GT stellt dank eines kleinen Knopfes den eigentlichen Auftrag der Stromer auf den Kopf. in 3,5 Sekunden
Mit der Befangenheit ist es immer so eine Sache.

Wie fährt sich der Kia EV 6 GT mit seinen zwei E-Motoren und seinen beeindruckenden Leistungsdaten? Unser Praxistest gibt Auskunft.
Sind es die Farben, welche mich stets für ganz bestimmte Automarken und spezielle Modelle in den Bann nehmen? Oder sind es ganz explizit herausgesuchte Details wie schöne Designbelange an Spiegeln oder einem unverkennbaren Heck? Oder sind es gar Leistungswerte eines Spitzensportlers, verpackt im Familien SUV? Ich kann es noch nicht exakt beschreiben.
Eines jedoch ist fix: der Praxistest mit dem Kia EV6 GT war ein ganz spezieller. Mit manch anderem Kia EV6 haben wir den großen Brands auf verschiedenen Veranstaltungen schon die Show gestohlen. Denn: was ist schon ein mit Marketern besetztes Mini-Zelt und dem üblichen Marketingspeech gegen einen dunkelgrünen KIA EV6 und der einzigartigen Mitfahrgelegenheit? Mit dem Kia EV6 GT allerdings sind wir eine Spur weiter, höher, schneller unterwegs als angenommen.
Eines ist ebenso sicher: der Kia EV6 GT kann vieles wie der Stinger GT. Manches gar viel besser. Nun ist die Zeit des Stingers allerdings vorbei, es lebe der König.
Generelles
Seit 2022 markiert der Kia EV6 GT die sportliche Speerspitze der koreanischen Marke. Alle technischen Daten lesen sich vielversprechend.
Der Hersteller spricht von einem “Crossover-Sportler”. Auch wenn ich den Kia nicht als reinen Sportwagen bezeichnen würde: der Blick in die Leistungsdaten des Gran Turismo verdeutlicht imposant die Ansprüche.
Mit Fahrzeugen wie diesem wildert Kia im Revier von Tesla. Mit der konzerneigenen Plattform E-GMP, auf welcher auch der Konzernbruder Hyundai IONIQ 5 steht, nehmen sie bei reinen Elektrofahrzeugen insgesamt eine technologische Führungsrolle ein.
430 kW (585 PS). Beschleunigung in 3,5 Sekunden auf Tempo 100 – Spitze für Petrol Heads: 260 km/h. Ungeahnte Beschleunigungs-Orgien – beeindruckende Höchstgeschwindigkeit also. Ansagen wir aus dem Bilderbuch.
Dass der EV6 zusätzlich die Auszeichnung „Car of the Year 2022“ erhielt, wird hier zur Nebensache. Bei der GT-Variante führte dieser Erfolg zu einem kurzen Bestell-Stopp. Wir durften die wieder erhältliche Rennsemmel in der wunderschönen roten Variante testen.
Erster Eindruck
Optisch wird der Kia EV6 GT mit den 21 Zoll großen Leichtmetallfelgen, den neonfarbenen Bremssätteln sowie dem flügelartigen Dachspoiler betont. Das Heck wird dominiert von einem speziell gestalteten GT-Stoßfänger inklusive Diffusors. Beim Blick auf die Abmessungen und die Optik des Kia EV6 GT zeigen sich nur minimale Unterschiede zum weniger sportlich ausgerichteten Baureihen-Bruder: 4,70 Meter lang, 1,89 Meter breit (ohne Außenspiegel) und 1,55 Meter hoch ist die Gran Turismo Version des elektrisch angetriebenen Kia. Der Radstand misst 2,90 Meter, die Bodenfreiheit 15,5 Zentimeter.
Ein spezieller Frontstoßfänger mit vertikalen Design-Elementen unterstreicht die Dynamik des GT.
Da das Grundmodell EV6 mit seiner aggressiv dreinblickenden Schnauze, der flachen Dachlinie sowie dem auffälligen Leuchtbogen am Heck optisch ohnehin schon ziemlich extrovertiert auftritt, zeigen die 21 Zöller im exklusiven Design sowie eine stärker akzentuierte Motorhaube die Abgrenzung zum „normalen“ EV6.
Am Heck ist der speziell gestaltete GT-Stoßfänger inklusive Diffusors ein Erkennungszeichen des Sportlers. Insgesamt lassen die Designänderungen den EV6 GT besonders satt auf der Straße stehen.
In erster Linie redet die Autobranche von Effizienz. Vom sorgsamen Umgang mit Energie. Bis dann dieser rote Kia vor der Tür steht. So weit, so präsent, so gut.
Er wird in fünf Farben angeboten (serienmäßig Runway Rot Metallic, optional Snow White Pearl, Moonscape Matt, Yacht Blau Metallic und Auroraschwarz Metallic).
Der Kia EV 6 GT verschiebt ein Weltbild. Viele bekannte Elektromobilitöätsagenden werden verschoben. Denn der Kia EV 6 GT stellt alles um, was man den für Normalsterbliche erwerbbaren Elektroautos in der Regelzuschreibt.
Entscheidend sind nur einige Details im Gegensatz zum „normalen“ EV6 AWD. Wichtigster Punkt außen: die GT-Bezeichnung am Heck sowie die grüngelben Bremszangen.
Sitzprobe
Im Innenraum des GT gibt es wie bereits bekannt, Platz satt. Vorne nehmen Fahrer und Beifahrer auf schwarzen Schalensitzen mit veganen Bezügen in Wildlederoptik Platz. Die Seitenwangen geben guten Seitenhalt. Was das Raumgefühl betrifft, sind vor allem Reisende in der zweiten Reihe mit viel Platz bedacht. Das Fahrwerk hält die Passagiere weitgehend vom Ungemach der Straße fern.
Die Farbe spielt im Innenraum eine wesentliche Rolle – an den Sitznähten der Sportsitze sowie am Steuer: der „Knopf“!
Zwei nahtlos miteinander verbundene, gewölbte und 12,3 Zoll große Bildschirme für das digitale Kombiinstrument und den Touchscreen des Navigationssystems liefern alle Fahr-, Konnektivität- und Unterhaltungsinformationen. Zusätzlich unterstützt das Head-up-Display mit Augmented Reality-Funktion. Hier und jetzt lockt der stärkste EV6 mit GT-spezifischer Taste – mit Driftmodus und unendlich Leistung. Dazu später mehr.
Der Gepäckraum mit serienmäßiger Ski-Durchreiche hat ein Fassungsvermögen von 480 Litern, das sich durch Umklappen der Rücksitzlehne auf 1.260 Liter erweitern lässt. Weitere 20 Liter Stauraum bietet der „Frunk“ unter der vorderen Haube.
Einen Anhänger kann er mit seiner abnehmbaren Anhängerkupplung ebenfalls ziehen. Hier beträgt die maximale Anhängelast 1800 Kilogramm. Die Herstellergarantie von sieben Jahren ist übliche Serie.
Insgesamt eine klare und starke Kampfansage an alle deutschen Premiumhersteller.
Technik
Zunächst ein Blick auf die technischen Details. Angetrieben wird der EV6 GT von zwei Permanentmagnet-Synchronmotoren. Der vordere leistet 160 kW (218 PS). Die mit einer externen Wasserkühlung versehene hintere Maschine ist mit 270 kW (367 PS) um 63 Prozent stärker als beim bekannten EV6.
Mit 585 PS fällt die GT-Version somit gleich um 260 PS stärker aus als die zweitstärkste Motorisierung EV6 AWD. Beide Varianten verfügen zwar über das gleiche Antriebslayout mit jeweils einem Elektromotor an beiden Achsen, bei der GT-Version gibt die hintere Maschine aber deutlich mehr Leistung ab. Das maximale Gesamtdrehmoment liegt bei 740 Newtonmetern.
Der Schlüssel beim Kia EV 6 GT liegt in der Drehfreudigkeit bis 21.000 Umdrehungen pro Minute.
Der Frontmotor wurde vom klassischen EV 6 übernommen. Das neue Hecktriebwerk verfügt über ölgekühlte „Hairpin“-Statorspulen und einen zweistufigen Inverter mit Siliziumkarbid-Halbleitern. Bei dieser Inverter-Bauart fallen die Energieverluste bei der Wandlung geringer aus. “Hairpin” beschreibt die Wicklung der Kupferdrähte im Stator. Sie erinnern optisch an Haarklammern. So lässt sich mehr Kupfer im Stator unterbringen, was für mehr Energiedurchfluss und damit eine höhere Motorleistung sorgt. Nun aus mit der Klugscheißerei.
Der Unterschied ist in der Praxis beeindruckend: Wenn der GT-Mode aktiviert ist, in dem die Assistenzsysteme dem Fahrer deutlich mehr Spielraum lassen und die gesamte gebündelte Kraft der zwei Motoren zur Verfügung steht, sprintet der Fünfsitzer in 3,5 Sekunden von Null auf Hundert und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 260 km/h. Beim normalen EV6 ist dagegen schon bei 185 km/h Schluss. BUMM!
Aufgrund der 800-Volt-Ladetechnologie kann die 77,4-kWh- Lithium-Ionen-Polymer-Batterie laut Kia in etwa 18 Minuten an einer entsprechend leistungsfähigen Station von zehn auf 80 Prozent aufgeladen werden. Kia verspricht für das Kraftpaket 424 Kilometer. Unsere Messungen ergaben im Alltag zwischen 290 und 303 Kilometer.
Die Stärke der Energierückführung konnten wir über Schaltwippen am Lenkrad und über vier Stufen regelen. Die maximale Leistung wird im sogenannten i-Pedal-Modus erreicht, der auch als One-Paddel-Drive bekannt ist und den Wagen bis zum Stillstand abbremst. Die maximale Rekuperationsleistung liegt bei 150 kW. In Kombination mit dem aktiven Bremssystem samt belüfteten Bremsscheiben im Durchmesser vorn von 380 und hinten von 360 Millimetern sowie neue Vierkolben-Hochleistungsbremssättel vorn – sind gar Spitzenwerte von mehr als 300 kW möglich.
Standard sind zudem eine Wärmepumpe zur Verbesserung der realen Reichweite bei niedriger Außentemperatur.
Wie schon der EV6 kann auch der GT als Stromquelle genutzt werden. Die integrierte Ladekontrolleinheit (Integrated Charging Control Unit, ICCU) beinhaltet eine Vehicle-to-Load-Funktion (V2L), die es ermöglicht, Strom mit einer Leistung von bis zu 3,6 kW aus der Fahrzeugbatterie zu entnehmen. Dazu wird der Ladeanschluss des Fahrzeugs durch einen einfachen Adapter in eine Steckdose verwandelt, an die sich zum Beispiel Haushaltsgeräte oder E-Bikes anschließen lassen und über die anderen Elektrofahrzeuge aufgeladen werden können.
Das Leergewicht beträgt samt 75 Kilogramm schwerem Fahrer 2.260 Kilogramm. Das sind immerhin 70 Kilogramm mehr als beim EV6 mit der großen Batterie. Dafür steigt das zulässige Gesamtgewicht im Vergleich um 80 auf 2.610 Kilogramm.
Kleine Unterschiede gibt es zudem beim Volumen des Ladeabteils, das mit 480 beziehungsweise 1.260 Litern um zehn oder 40 Liter geringer ausfällt. Der Frunk unter der vorderen Haube fasst wie gehabt 20 Liter. Und es gibt für den GT ebenfalls eine Anhängerkupplung, mit der hier 1,8 statt sonst 1,6 Tonnen gezogen werden können. Serienmäßig rollt der allradgetriebene Kia EV6 GT auf 21-Zoll-Rädern.
Sicherheit / Komfort
Für Sicherheit und Komfort sorgen derweil eine navigationsbasierte adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, ein Autobahnassistent mit Spurwechselunterstützung, ein Totwinkelassistent mit Monitoranzeige, Lenkassistent, ein Frontkollisionswarner mit Abbiegefunktion und Querverkehrerkennung, ein Ausstiegsassistent, Rundumsichtkameras, adaptive Dual-LED-Scheinwerfer und ein Remote-Parkassistent. Die Basisausstattung beim Kia EV6 GT umfasst abgedunkelte Scheiben hinten, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik und Sitzheizung auf allen Plätzen.
Zusätzlich enthalten ist die spezielle elektronische Sperrdifferential-Software, mit der erhebliche querdynamische Talente abrufbar sind.
Ansonsten ist alles an Assistenten an Board, was den Stromer Langstreckentauglich macht: Spurhalte- und Stauführung, Auffahrwarner und Totwinkelassistent oder das serienmäßige Head-up-Display. Selbstverständlich zeigt das Navi die Ladestationen auf der Strecke an, die es mit Sicherheit braucht.
Fahren
Kommen wir zum Allerheiligsten des Kia EV6 GT: dem Fahren.
Mithilfe der Fahrmodus-Wahl lässt sich der dynamische Charakter des EV6 GT individuell zwischen Eco, Normal und Sport verändern. Dazu kommt dann noch der spezielle GT-Modus, der über eine gelb – grüne Taste rechts unten auf dem Zweispeichen-Lenkrad aktiviert wird. Dieser wählt für Elektromotoren, Bremsen, Lenkung, Dämpfer, Sperrdifferenzial und das elektronische Stabilitätsprogramm (ESC) automatisch die jeweils dynamischste Einstellung (Sport oder Sport+). Das ESP lässt im GT-Modus auch mehr Radschlupf zu. Soll es noch sportlicher sein, kann das ESP vollständig deaktiviert werden. Aber irre sind wir nicht.
Antriebspower und das Drehmoment von bis zu 740 Nm bringt das sportlich-straff abgestimmte Hochleistungsfahrwerk problemlos auf den Asphalt.
Und dennoch marschiert der Wagen jederzeit und ohne Zögern voran, als würde das Heck von einem Dampfhammer bearbeitet. Die Mundwinkel werden stets bis an die in den Sportsitz integrierte Kopfstütze gezogen, sobald du den gelbgrünen Knopf am Steuer drückst und das Strompedal durchdrückst. Aberwitzig, irre. Immer wieder aufs Neue. Entschuldige bitte, lieber Gilbert.
Für den Spaß im Drift-Modus wird die Antriebskraft mit bis zu 100 Prozent an die Hinterräder geleitet, was uneingeschränkte Seitwärtsbewegungen und damit das Kreiseln ermöglicht.
Wo in aller Namen holt also Kia diese Leistung her? Es sind kleine und feine technische Raffinessen: Die Leistung ziehen die Koreaner aus den Spulen der in den anderen EV6-Varianten eingesetzten Synchronmaschinen. Beide Motoren drehen im “GT” allerdings bis 21.000 Touren hoch: allein das steigert die Leistung kräftig.
An der Vorderachse des EV6 GT dreht der Synchronmotor weiter mit 218 PS; an der Hinterachse werden die zwei Räder mit 367 PS in den Asphalt gedreht.
Ein zweistufiger Wechselrichter entfaltet die Kraft noch gleichmäßiger; sein Leistungsmodul nutzt Siliziumkarbid-Halbleiter, um die Gesamteffizienz zu steigern. Die Spule des Ständers ist in der “Hairpin”-Technologie gewickelt und wird mit Öl gekühlt: das verringert die Verluste und lässt den Motor noch direkter reagieren.
Der EV6 GT ist alles andere als ein Fahrdynamik-Muffel. Kia hat die Befestigungen der Radaufhängungen verstärkt; und vorne der MacPherson-Aufhängung eine neue Geometrie spendiert. Die vorderen Federn sind weicher als beim EV6, die hinteren deutlich steifer.
Das Gewicht hat Kia nahezu gleich auf die beiden Achsen verteilt. Das Fahrwerk und damit der Schwerpunkt liegen 5 Millimeter tiefer als beim EV6 – der Radstand ist mit 2,90 Metern gleichlang. Mit der elektronischen Dämpferkontrolle und dem elektronischen Sperrdifferenzial lassen sich der Komfort, die Wankneigung und die Traktion beeinflussen.
Für alle Arten von Einsätzen geeignet sind zumal die Bremsen. Kia hat die Bremsanlage ebenfalls auf Hochleistung getrimmt. Die mechanische Anlage baut auf die Verzögerungsleistung von vier wuchtigen Scheiben; mit 380 bzw. 360 Millimetern Durchmesser.
Nachdem wir das geklärt haben, kommen wir noch mal zu den Spaßfaktoren des GT: der Driftfunktion. Die aktiviert, wer das ESP deaktiviert, den gelben GT-Knopf am Lenkrad gedrückt hat und jetzt beide Rekuperationspaddels gleichzeitig über mehrere Sekunden zu sich zieht. Im Display erscheint die Freigabe des Drift-Modus. Dabei wird die Antriebskraft mit bis zu 100 Prozent an die Hinterräder geleitet, was uneingeschränkte Seitwärtsbewegungen und damit das Kreiseln ermöglicht. Der Drift-Modus ist allerdings aus Sicherheitsgründen nur mit mehreren Schritten im Stand zu aktivieren. Wer den Kia EV6 GT dauerhaft im Performance-Bereich bewegt, der muss mit einem Verbrauch von weit mehr als 30 oder auch schon mal mehr als 40 kWh auf 100 Kilometer rechnen.
Insgesamt zeigt sich der Stromer im Fahrverhalten deutlich stabiler als die schwächer motorisierten Kollegen. Hier machen sich die verstärkten Befestigungspunkte der Radaufhängung ebenso bemerkbar, wie die veränderte Aufhängung der Federbeine. Vor allem bei schnellen Kurvenfahrten und unterschiedlichen Straßenbelägen verhält sich der GT deutlich stabiler als der EV6 ohne GT-Beigaben. Allerdings sorgen die 255er-Gummis an der Front und die 265er auch ob des veränderten Sturzes bei langsamen Rangierfahrten für das typische Rubbeln über die Vorderräder.
Dass der Kia EV 6 GT fährt, einlenkt und bremst wie ein Supersportler, ist die eine Seite – die des Aberwitzes.
Die andere ist die fast biedere, abseits von dreikommafünf und 585 PS. Im Eco-Modus ist er der brave Dienstleister.
Der Standardsprint auf Tempo 100 gelingt laut Datenblatt in 3,5 Sekunden, in der Spitze sind 260 Kilometer pro Stunde möglich. Alles in allem liegt der EV6 GT in der Gesamtleistung um 80 Prozent über dem EV6 AWD (239 kW/325 PS, 605 Nm), der in 5,2 Sekunden auf Tempo 100 sprintet und in der Spitze 185 Kilometer pro Stunde erreicht.
Schon im Sportmodus lässt das elektronisch gesteuerte Dämpfersystem selbst in sehr schnell genommenen Kurven nahezu keine Seitenneigung und kaum Wankbewegungen zu. Gleichzeitig sorgt ein elektronisches Sperrdifferenzial dafür, dass die Räder mit dem meisten Grip mit besonders viel Leistung versorgt werden.
Das liebe Geld
Wer mit einem Porsche Taycan in die Leistungsregion des Kia EV6 GT vorstoßen will, muss leicht über sechsstellige Summe hinblättern. Kia preist sein 4,7 Meter langes Mittelklasse-SUV dagegen derzeit in Österreich mit 75.390 Euro an. Sehr viel Stromspielraum für mindestens € 25.000 Differenz also.
Ein voll ausgestattetes SUV-Coupe mit Leistungsdaten, welches im eigenen Segment vergeblich seines Gleichen sucht.
Fazit
Kia zeigt eindrucksvoll, dass hier seitens der deutschen Hersteller ungeahnte Sphären erreicht werden. Und: immer in einer absolut unfassbar guten Qualität. Unser Testwagen hat nicht ein einziges Mal irgendeine Meldung bezgl. Temperatur und / oder Leistungsabfall gehabt.
Obwohl der EV6 GT insgesamt sehr ausgereift wirkt, gibt es auch einige Kritikpunkte: Zum einen könnte die grundsätzlich exakte, geschwindigkeitsabhängige Lenkung mehr Rückmeldung bieten, zum anderen passt das Zweispeichenlenkrad aus dem Standard-EV6 nicht wirklich in ein sportliches Auto. Der Volant wirkt nicht nur klobig, sondern verdeckt bei einem stärkeren Lenkeinschlag auch die Sicht auf die Anzeigen und teilweise sogar auf das Head-up-Display.
Es dauert recht lange, eine angenehme Sitzposition zu finden. Dass Kia vermutlich aus Kostengründen in der Topversion auf eine elektrische Sitzeinstellung verzichtet hat, macht es nicht einfacher.
Was heuer wieder bewahrheitet wurde: die Qualität der Haptik, des automatischen Verbindens der Mobiltelefone sowie die Navizielführung funktionieren schlichtweg tadellos.
Hier können sich einige Brands noch sehr viel abschauen. Die Verarbeitung ist insgesamt sehr gut.
Kia wird mit dem EV6 GT sein Ziel erreichen: einen elektrischen Imageträger, der die direkte Konkurrenz leistungsmäßig weiterhin in den Schatten stellt und ein gewisses fahrdynamisches Talent mit alltagstauglichem Komfort sowie angemessener Langstreckentauglichkeit verbindet. Er ist derzeit eines der stärksten elektrischen SUVs.
Seien 800 Volt Technologie ist nicht nur State of the Art, sie ist derzeit die beste Ladetechnologie am Markt. Mit der herausragenden Ladeleistung, seiner hochwertigen Vollausstattung in Verbindung einer erstaunlichen Effizienz schafft der Kia EV6 GT exakt das, was er sein will – eine echte Elektrorakete mit viel Spaßpotenzial.
Eingebremst wird er durch die etwas schmale Reichweite und einen doch recht üppigen Preis. Aber hey, sag das einmal einem Verbrennerfahrer mit über 500 PS.
Allerdings bleibt abzuwarten, wie sich die neuen Gamechanger wie BYD mit dem Seal und weiteren Fahrzeugen aufstellt.
Das Handling kann getrost als narrensicher bezeichnet werden – zumindest, wenn man nicht gerade im GT-Modus unterwegs ist.
Kraft, Agilität, Dynamik und Handling sind schlichtweg bestens. Das hohe Maß an Performance stellte das Spitzenmodell in allen Disziplinen – wie Antritt aus dem Stand, Beschleunigung oder schnellen Kurvenfahrten – unter Beweis.
Im öffentlichen Straßenverkehr komfortabel, passiert der elektrisch angetriebene Gran Turismo etwaige Straßenlöcher souverän.
Wenn erwünscht, mutiert der GT zum Sportwagen. Innerhalb einer Sekunde beim Pushen des gelbgrünen Knopfes Am Steuer. Schnelle Überholmanöver werden zum Alltag. Bitte Vorsicht, die Droge wirkt schnell.












