Unser Praxistest schafft Klarheit.

Generelles

Rund 32 Prozent der deutschen Volvo-Kunden entschieden sich schon 2021 beim Kauf für einen Teilzeitstromer – jene mit Plug-In Technik.

Der Volvo XC40 und sein Zwilling C40 waren und sind die ersten Modelle des schwedisch – chinesischen Herstellers mit völliger Elektrifizierung. Die Fahrzeuge basieren auf der CMA-Plattform und wurden daher nicht allein für den vollelektrischen Betrieb entwickelt.

Bis 2025 soll die Hälfte aller verkauften Volvo mit einem reinen Batterieantrieb ausgerüstet sein, die andere Hälfte sind dann Plug-in-Hybride oder Hybride. Ab 2040 will Volvo weltweit ein klimaneutrales Unternehmen werden.

So weit, so elektrisch.

Dies hat sich geändert mit der Ankunft des EX90 und des EX30. Die aktuelle 2024er-Überarbeitung des XC40 ist damit lediglich der Beginn einer aktuellen Modelloffensive mit dem elektrischen Flaggschiff EX30 und dem kleinen und preisgünstigen EX30 als künftiges Volumenmodell.

Auch das Coupé C40 wurde mit dem Modelljahr 2024 technisch identisch zum XC40 überarbeitet. Es ist also eine Frage des persönlichen Geschmacks, für welches Modell man sich entscheidet.

Erster Eindruck

Obwohl der XC40 Recharge mit dem Zusatz Pure Electric für Volvo ein neues, von der Elektrifizierung geprägtes Zeitalter des Automobils einläutete, schaut er einfach aus wie ein ganz normaler XC40. Volvolike eben.

Die Bezeichnungen wurden fürs Modelljahr 2024 verändert: unseren XC40 Recharge Pure Electric gibt es jetzt als Essential, Core, Plus und Ultimate. Wie schön, dass wir den Ultimate in solch wunderbare Farbe ergattern durften.

Die kleinen Diskrepanzen im hier und jetzt: ein verschlossener Kühlergrill in Wagenfarbe, „Recharge“-Schriftzug an der C-Säule sowie ein schwarzer Heckdiffusor.

Sitzprobe & Innenleben

Im Innenraum hat sich der XC40 Recharge im Laufe der Jahre ebenso kaum verändert. Das Ambiente des XC40 ist weiterhin skandinavisch schlicht und mutet an wie ein schwedisches Wohnzimmer. Aber ein sehr gemütliches.

Die Sitze sind großartig ausgeformt. Alle wünschenswerten Verstellmöglichkeiten lassen stets eine gute Sitzposition zu. Der „Tailored Wool“-Stoff ist mit 2.200 Euro Aufpreis zwar nicht günstig, dafür aber wahnsinnig heimelig. Behaglich? Sehr! Ich schwöre!

Ohne Schlüssel in der Hand geht es direkt keyless los. Sensationell – Polestar lässt grüßen.

Einfach reinsetzen, den Gangwahlhebel auf „D“ oder „R“ schieben und los.

Einfacher geht es nicht. Nirgendwo.

Die Musikanlage von Harman/ Kardon unterhält mich mit Top – Studioqualität. In unserer getesteten „Ultimate“-Ausstattungslinie serienmäßig an Bord. So klar, dass mein Hörgerätetermin abgesagt werden kann. Was ist denn hier los?

Die Beleuchtung des Armaturenbretts Und Der Türtafeln Erfolgt Im Stil Einer Topografischen Karte.

Lediglich der Kenner bemerkt die Unterschiede zu den Verbrenner-Modellen.

Wobei: wir sitzen innen komplett lederfrei. Sitzpolster, Türverkleidungen, Lenkrad, Schalthebel oder Fußmatten: im gesamten Interieur verwendet Volvo synthetische Materialien.

Trotz der großen Batterien im Unterboden bietet unser 4,44 Meter langes und 2 Meter breites „Kompakt-SUV“ ausgezeichnete Platzverhältnisse. Vorne können problemlos 1,95 Meter große Personen Platz nehmen. Im Fond fühle ich mich mit 1,83 Metern pudelwohl, allein das Schiebedach lindert die Höhe emotional. Aber das sind schon keine Sorgen an sich. Zu dritt gingen sich gar drei Kinderpopos aus, zwei davon auf Kindersitzerhöhungen. Also Top!

Im gut beladbaren Kofferraum mit einer unter der Ablage befindlichen Laderaumteilung bleiben weiters 452 bis 1328 Liter Stauraum. Und ja, in unseren elektrischen Fahrzeugen muss stets an den Frunk erinnert werden. Im 31 Liter fassenden Staufach lassen sich zumindest die beiden Kabel verstauen oder im Sommer auch coole Cocktails oder andere Flaschen (Politiker passen leider nicht hinein..).

Schwedischer Chic. Die dominierende Farbe des Interieurs ist Anthrazit: Sie schmückt Armaturenbrett, Türen, die Seiten der Mittelkonsole, Bodenmatten, Gepäckraumabdeckung, die Sitze sowie auch den Dachhimmel. Besonders effekt- und stilvoll sind die konkav geformten Dekoreinlagen an der Armaturentafel und den Innenverkleidungen der Türen: Bei Dunkelheit werden sie gedimmt von hinten beleuchtet.

Technik

Die 12,3 Zoll große digitale Instrumentenanzeige mit drei wählbaren Anzeigemodi direkt im Cockpit sowie der 9 Zoll große Touchscreen im Zentrum der Mittelkonsole bilden eine optisch stilvolle Bedienschnittstelle.

Ebenfalls bei uns an Bord: eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik sowie ein Luftreinigungssystem inklusive Vorbelüften und Nachheizen des Innenraums per Smartphone-App.

Doch die eigentliche Errungenschaft steckt im Betriebssystem: das Android-Infotainmentsystem. Es wurde gemeinsam mit Google entwickelt und bietet Zugriff auf Funktionen wie den Karten- und Navigationsdienst Google Maps, die Spracherkennung Google Assistant sowie Apps und Services von Drittanbietern wie Spotify. Diese Google-Services (Maps, Assistant und Play Store inklusive unbegrenztes Datenvolumen) sind nun serienmäßig in allen Versionen.

Die erforderliche Internetverbindung ist im Lieferumfang immer enthalten.

Um es kurz zu machen: Ein so perfekt funktionierendes System findet man derzeit in kaum einem anderen Fahrzeug – auch nicht in den Premium-Modellen von Mercedes, VW oder BMW, die mit viel Aufwand eigene, aber schwächere Systeme entwickeln, damit sie allein Herr der Daten bleiben.

Die automatisch regelnden Systeme funktionieren insgesamt gut und erleichtern die Bedienung des Fahrzeugs im täglichen Betrieb. Die 360-Grad-Kamera ist ein tolles Feature.

Während das Infotainment lobenswert erwähnt werden muss, wirkt die Konnektivität etwas träge. Allein der Umstand, dass für das Volvo Apple CarPlay ein Kabel notwendig sein soll, na ja.

Das Wireless Charging funktioniert im Volvo ohne Verrutschen und agiert sofort. Bravo!

Sicherheitstechnisch ist, so kennen wir das, volvo-typisch in allen Ausstattungsvarianten schon Vieles serienmäßig an Bord.

Automatisches Notbremssystem mit Fahrzeug-, Fußgänger-, Fahrradfahrer- und Großtier-Erkennung, Notbremsassistent für Kreuzungen und Gegenverkehr, aktiver Lane Assist, cloudbasierte Gefahrenmeldungen und, und, und. Volvo war und ist seit eh und je ein auf völlige Sicherheit bedachter Autohersteller.

Fahrgefühl

Volvo bestückt den XC40 mit größeren Batterien. So erhöht sich die Maximalreichweite von 438 auf 515 WLTP-Kilometer.

78 kWh Nettokapazität samt 185 kW starkem Antrieb. Die maximale Ladeleistung erhöhte sich von 150 auf 200 kW.

Der Wechsel auf den Heckantrieb soll die Effizienz steigern. Und so werden im WLTP-Verbrauch künftig nicht mehr 18,6 kWh/100 km, sondern 16,6 kWh/100 km angegeben.

Der uns zur Verfügung stehende Hinterradantrieb ist ein echter Gewinn. Die Agilität im Vergleich zum „alten“ Fronttriebler“ nahm spürbar zu. 

Im Modelljahr 2024 stehen für den Volvo XC40 Recharge Pure Electric drei Antriebsvarianten zur Wahl. Den Einstieg bildet die 175 kW/238 PS starke Single-Motor-Version mit Heckantrieb. Vor dem Facelift wurde der XC40 Recharge noch an den Vorderrädern angetrieben. Das Fahrzeug beschleunigt in 7,4 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Der Stromverbrauch liegt gemäß WLTP-Zyklus bei 17,1 kWh je 100 Kilometer, die maximale Reichweite beträgt 478 Kilometer.

Unser Fahrzeug mit Single Motor in der Extended-Range-Version hat den größeren 82-kWh-Akku. Hier produziert der Elektromotor 185 kW/252 PS Leistung und 420 Nm Drehmoment. Während die Fahrleistungen merklich unverändert bleiben, liegt die maximale Reichweite jedoch bei angegebenen 573 Kilometern. Der Stromverbrauch beläuft sich gemäß WLTP-Zyklus auf 16,6 kWh/100 km. Leider sind diese Angaben aufgrund der Eiskälte schier unmöglich gewesen.

Auch die Allradvariante profitiert von neuen Antrieben und mehr Reichweite: Vorne sitzt nun ein 110 kW/150 PS starker Asynchron-Elektromotor und hinten ein Permanentmagnet-Elektromotor mit 190 kW 258 PS, die ein Drehmoment von 250 Nm an die Vorderräder sowie 420 Nm an die Hinterräder schicken. In Verbindung mit dem 82-kWh-Akku klettert die Reichweite auf bis zu 541 Kilometer.

Die Schweden haben den Heckmotor beim Twin Motor Antrieb selbst entwickelt und mit einem verbesserten Siliziumkarbid-Inverter versehen, was etwa fünf Prozent Effizienz bringt. Der Asynchron-Elektromotor kann unbestromt ohne große Verluste mitlaufen und wird bei Bedarf blitzschnell zugeschaltet. Durch dieses neue Antriebslayout verbessert sich zudem die Rekuperation merklich – unser nächster Test wird es zeigen.

Wer so wie ich des Lateinischen mächtig ist, weiß: „Volvo = „ich rolle“. Der elektrische XC40 ist ein Paradebeispiel dafür. Schaltet man die Rekuperation ausgeschaltet ist, scheinen jegliche Fahrwiderstände ad acta gelegt zu sein. Nimmt man den Fuß vom Gas, rollt der Schwede gefühlt unendlich weit dahin! Dieses Dahinsegeln ist so entschleunigend und energiesparend für viele Kilometer – besonders auf der Autobahn und auf der Landstraße.

In der Stadt macht es stets Sinn, das „One Pedal Fahren“ im Bildschirmmenü zu aktivieren. Segeln ist hier unnötig. Mit etwas Übung kann man tatsächlich nur mit dem Gaspedal fahren. Wird es gelupft, bremst der Volvo spürbar ab und gewinnt wieder Energie für die Batterie.

Der automatische Modus als dritte Alternative bremst das Fahrzeug automatisch stärker und schwächer ab, je nach Situation.

Eindrucksvolles Anfahren aus dem Stand, müheloses Beschleunigen und leises Dahingleiten. Alles gelingt schon mit unserem Single Motor in der Extended-Range-Version. Der große Akku setzt den Schwerpunkt des knapp 2,1 Tonnen wiegenden SUV nach unten, das kommt im Zusammenspiel mit der direkten Lenkung und dem straffen, aber trotzdem komfortablen Fahrwerk dem Fahrverhalten in Kurven zugute.

Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 180 km/h begrenzt – eine Selbstbeschränkung, die auch für alle neuen Volvos mit Verbrennungsmotor gilt. Aber in Österreich wird das sowieso nie ein Thema sein, Gott sei Dank und allen Verbrennerunkenrufen zum Trotz.

Ein großes Lob verdient die Bremse. Während das Bremsgefühl bei anderen E-Fahrzeugen oft sehr künstlich wirkt und sich je nach Rekuperationsbedarf auch noch ständig ändert, wirkt die Volvo-Bremse richtig knackig und fühlt sich immer identisch an.

Ein 11-kW-Bordladegerät ermöglicht einfaches Laden mit Wechselstrom (AC) zu Hause und unterwegs; ein Mode-3-Kabel mit 16 Ampere gehört zur Serienausstattung. Gleichstromladen (DC) ist mit dem Modelljahr 2024 beim Single Motor Extended Range und Twin Motor mit bis zu 205 kW (Single Motor 150 kW) möglich und dauert bei idealen Bedingungen nur 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent.

Ein Temperaturmanagement für die Batterie mit separaten Kühlkreisläufen sorgt dabei für eine Verkürzung der Ladedauer und ein optimales Ausschöpfen der verfügbaren Reichweite. Nur optional (ab Core) ist dagegen eine Wärmepumpe erhältlich, die die Klimatisierung des Innenraums unterstützt. Neu und für alle ist dagegen eine Anzeige im Instrumentendisplay, die sowohl die Reichweite wie den Ladestand der Batterie anzeigt.

Der Volvo XC40 kann mit einer Anhängerzugvorrichtung mit einer Anhängerlast von 1500 Kilogramm, mit Allradantrieb neuerdings sogar 1800 Kilo versehen werden. Der Energieverbrauch steigt im Zugbetrieb natürlich exorbitant an. Wobei: sehr aerodynamisch sind Volvos von Haus aus auch noch nie gewesen.

Das liebe Geld

Performance hat ihren Preis. In der Grundausstattung wären 53.000 Euro für unseren Ultimate fällig. Der von uns gefahrene Single Motor Extended Range kostet € 61.691,00 – dafür sind alle beschriebenen Features bereits enthalten.

Fazit

Der Volvo XC 40 Recharge Pure Electric ist ein sehr ausgereiftes Fahrzeug auf dem Stand „noch moderner“ Technik. Volvo bietet OTA-Software-Updates an. Diese Updates sind nur im Stand möglich, leider nicht im Fahrbetrieb.

Zum Starten der Installation muss man das Fahrzeug verlassen und verriegeln. Der Rest geschieht automatisch und möglichst ohne Zutun des Lenkers. Wozu auch?

Mir fehlte ein Head Up Display. Hinter dem Lenkrad sitzt zwar die zweite Generation des 12,3 Zoll großen Kombiinstruments, aber die aktuelle Geschwindigkeit und etwaige Begrenzungen sind besser direkt in der Windschutzscheibe ablesbar.

Trotz des Effizienz-Updates mit neuer Motorposition und neuer Batterie bemerkt man eindeutig, dass der XC40 eine Multi-Energy-Plattform nutzt. In die Nähe des WLTP-Wertes – im Winter? Unmöglich.

Die Pixel-LED-Scheinwerfer im gewohnten Thors Hammer Design sehen cool aus und sind ein Muss bezüglich der Lichtausbeute im Abblend- und Fernlichtmodus.

Wer mehr Elektrovolvo möchte, sollte sich mal mit dem neuen EX30 anfreunden.

Etwas kleiner, technisch jedoch bereits eine Wagenlänge voraus – zudem günstiger bei – gleichen Volvo-Qualitäten.

Ist der Schwede seinen Preis wert? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ein Volvo ist ein Volvo ist ein Volvo ist ein Volvo…

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