Das Green Hotel AVIVA****s make friends in St. Stefan-Afiesl erzeugt dank der neue PV-Anlage ca. 70 % des benötigten Stroms selbst und umweltfreundlich.
Die ÖSTERREICHISCHE HOTELIERVEREINIGUNG hat Geschäftsführer & Eigentümer Christian Grünbart zum Interview gebeten.
ÖHV: Lieber Christian, du hast im Zuge des ÖHV-EU-Projekts European Tourism going Green das Österreichische Umweltzeichen und das EU Eco Label erhalten. Letztes Jahr hat das Hotel AVIVA außerdem den „Energiestar 2023“ des Landes Oberösterreich und des OÖ Energiesparverbandes in der Kategorie Freizeit gewonnen. Schätzen Gäste und Mitarbeiter:innen solche Auszeichnungen?

Christian Grünbart: Studien zur Folge achten bereits 48 % der Urlauber:innen auf die vor allem ökologischen, aber auch sozialen, Aktivitäten zur Nachhaltigkeit des gewählten Hotels und sind auch bereit, dafür bis zu 10 % mehr zu bezahlen. Die Tendenz ist aufgrund der bekannten Themen stark steigend und hat sich innerhalb von 5 Jahren verdoppelt. „Urlaub mit einem gutem Gewissen“, erzeugt ein zusätzliches positives Urlaubsgefühl, wenn die Gäste wissen, dass das Hotel und/oder auch die gesamte Destination auf vielen Ebenen, wie Energieerzeugung, Energieeinsparung, Lebensmitteleinkauf, … ökologisch nachhaltig agiert und zudem sozial nachhaltig aktiv ist, wie wir mit der 4 Tage Woche und vielen weiteren Aktivitäten.
Die Auszeichnungen mit dem Energiestar und die Zertifizierungen mit dem Österreichischen Umweltzeichen und dem EU ecolab untermauern dies und schließen somit auch ein „green washing“ aus, da viele unterschiedliche Expertinnen bzw. Experten und Jurys die Maßnahmen umfänglich geprüft haben.
ÖHV: Welche Maßnahmen für ein nachhaltiges Wirtschaften werden im Hotel AVIVA bereits umgesetzt und welche sind aktuell noch in Planung?
Christian Grünbart: Aktuell sind folgende Aktivitäten bereits realisiert:
- PV Anlage mit 440kWp auf der Parkplatzüberdachung und 63kwp auf dem Hoteldach. Damit werden rund 70 % des Jahresstrombedarfs erzeugt.
- Regenwasserzisterne mit 32.000 Liter für die Nutzung in der hoteleigenen Wäscherei.
- 4 Tage Arbeitswoche für viele Mitarbeiter:innen – durch Entfall des 5. Arbeitstages je Woche werden von allen Mitarbeitenden gesamt ca. 2.000 km monatlich für die Fahrt vom/zum Arbeitsplatz eingespart.
- Mitarbeiter:innen erhalten kostengünstig ein Elektrofahrzeug (Mercedes Benz EQA) mit der Möglichkeit, an einer der 6 Ladestellen zu laden.
- umweltschonende Pelletsheizung für Wärme und Warmwasser im Hotel
- Solaranlage ergänzend für die Warmwassererzeugung
- intelligente Steuerung der Heizung (Bsp. bei nicht belegten Zimmern reduziert die EDV die Zimmertemperatur)
- intelligente Lichtsteuerung und LED- oder Energiesparleuchtmittel
- bestmögliche Nutzung von Wasser und Warmwasser durch wassersparende Maßnahmen
- Vermeidung von Essensbuffets, die für gewöhnlich einen höheren Speiseabfall erzeugen
- hoteleigener Kräutergarten für die direkte Nutzung von rund 20 Kräutersorten für die Küche (kein Transport, keine Lagerung erforderlich)
- rund 80 % der Speisen und Getränke haben eine kürzere Anreise als 50 km
- direkte Herstellung von Bier in der hoteleigenen Brauerei – kein Transport erforderlich
- Möglichkeit für die Gäste für die Anreise mit der Bahn und Weiterfahrt mit einem kostengünstigen Shuttle ab Linz und Passau
- AVIVA bietet den Gästen eine Mitfahrbörse auf der Internetseite an – Gäste können sich einfach die An-/Abreise teilen.
- Gäste haben einfach die Möglichkeit, auf die Zimmerreinigung und/oder Handtuchwechsel zu verzichten. Wir ziehen dafür 5 Euro pro Nächtigung und Gast von der Hotelrechnung ab.
- Vermeidung von Abfällen durch Verzicht auf Einweg- & Kleinstverpackungen.
- genaue Mülltrennung nach den gesetzlichen Vorschriften
- hoteleigene Wäscherei – die gesamte Wäsche wird im Hotel gewaschen – somit verzichten wir auf Mietwäsche, die meist nach Tschechien, Slowakei oder Polen transportiert, gewaschen und wieder zurückgebracht wird. Damit sparen rund 20.000 km an LKW-Fahrten ein.
- Verwendung von umweltschonenden Reinigungsmitteln.
- der gesamte Kommunikationsablauf bei der Buchung erfolgt EDV gestützt – Papier ist somit nicht erforderlich
- digitale Gästeinfomappe und App für das tägliche Sport- und Unterhaltungsprogramm – somit werden unzählige Seiten an Papier eingespart
- Wir achten auf unsere Natur & die Biodiversität durch die Bepflanzung unserer Grünanlagen und dem respektvollen Umgang mit der Natur & den Tieren.
Folgende Aktivitäten sind in Planung:
- Nutzung des Überschussstroms zur Erzeugung von Warmwasser
- Anschaffung einer Speicherlösung
- Ausbau der Shuttlefrequenz für die öffentliche Anreise der Gäste
- Weitere Vereinfachung der Gästekorrespondenz und somit Reduktion von weiteren Prozessen
ÖHV: Wie rechnen sich Investitionen im Sinne der Nachhaltigkeit? Konntet ihr Förderungen ansprechen? Von welchen Amortisationszeiten geht Ihr bei so großen Projekten wie der PV-Anlage aus?
Christian Grünbart: Wir haben die üblichen bekannten Förderungen erhalten. Die Amortisationszeit einer PV-Anlage ist natürlich abhängig vom Strompreis und des Einspeisetarifs. Die Entwicklungen beider Tarife sind mittelfristig schwer abschätzbar. Wir gehen bei durchschnittlichen Tarifen der letzten Jahre vor der Energiekrise von 11 Jahren aus. Die Dauer der Amortisationszeit war aber nie das ausschlaggebende Argument für die Investitionen. Vor allem mit der Parkplatzüberdachung war es wichtig, auch einen Mehrwert für die Gäste zu schaffen und wie gesagt, einen Urlaub mit einem guten Gewissen zu ermöglichen. Denn das Produkt eines Hotels sind nun mal Emotionen.
ÖHV: Nicht jede Maßnahme ist für jeden Betrieb geeignet. Wie läuft zum Beispiel die PV-Anlage, wenn´s im Winter mal richtig viel Schnee gibt? Könnt ihr große Mengen an Strom an sehr sonnigen Tagen speichern?
Derzeit wird der Überschussstrom eingespeist. Ab März 2024 wird mit einem Teil davon das Warmwasser beheizt. Damit werden doch erhebliche Mengen an Pellets eingespart. Wenn auf der PV-Anlage Schnee liegt, wird leider kein Strom erzeugt.
ÖHV: Gerade bei PV-Anlagen hört man ja immer wieder, dass es zu Verzögerungen kommen kann, weil die Bauteile gar nicht immer lieferbar sind oder die Firmen mit den Installationen nicht hinterherkommen. Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?
Christian Grünbart: Die Anlage war langfristig geplant und die Bauabschnitte sind dank engagierter und professioneller Unternehmen gut abgestimmt gewesen. So konnte die Baustelle trotz der weltweiten Lieferengpässe pünktlich fertiggestellt werden. Wie immer ist Planung das halbe Leben.
ÖHV: Messt Ihr Euren CO2-Abdruck oder macht Ihr bereits ESG-Reports? Wie messt Ihr eure Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Betrieb?
Christian Grünbart: Die Messung des CO2-Abdrucks wäre interessant, ist aber für ein KMU personell neben dem Alltagsgeschäft eines Hotels nicht umzusetzen. Beim ESG-Report haben wir bereits einige Punkte abgearbeitet bzw. sind stets dabei, die restlichen Punkte zu erarbeiten und umzusetzen.
Fotocredit: (c) Green Hotel AVIVA****s make friends
Christian Grünbart ist Geschäftsführer & Eigentümer des „Green Hotel AVIVA****s make friends“. Weitere Informationen zum Hotel und den Nachhaltigkeitsintiativen finden Sie hier:












