Natürlich führt diese Neuauflage des Klassikers Ford Bronco zu Begehrlichkeiten. Eckig. Kantig. Kultig. Laut Ford Chef Jim Farley wird hier die Robustheit eines Pick Ups mit der Power eines Mustangs vereint.

Nebst dem F-150 gibt es in den USA seit 1966 eine Ikone der Marke Ford. Was bei Jeep der Wrangler, bei Landrover der Defender und bei Volkswagen der Amarok ist, nennt sich bei Ford: „Bronco“. Ein echter Typ, ein ganzer Kerl, ein echter Geländewagen für Stock und Stein. Zum richtig hart Herannehmen.

Mit seiner neuen Retrooptik wird er – standesgemäß – in begrenzter Stückzahl hergestellt. Anscheinend folgt Ford so diesem Trend des generellen Retrocharmes. Ein echter Geländewagen, ganz der Strategie von Ford angepasst, soll es nicht nur im Alltag, sondern ebenso abseits befestigter Pisten krachen lassen.

„Adventurous Spirit“ des Ford-Portfolio soll zukünftig in vier Fahrzeuggruppen mit expliziter Ford-DNA transportiert werden.

Ganz als Marke dem Adventure Spirit verschrieben, sind alle Fahrzeuge der Brand Ford mittlerweile nicht nur unerlässliche und verlässliche Begleiter im Alltag. Sondern stehen diese auch jederzeit bereit, sich mit dem Eigner in ein Abenteuer zu stürzen und dem Alltag zu entfliehen. Dem Strategiewechsel angepasst, soll Ford also zur Lifestyle-Marke umstrukturiert werden.

Dr. Christian Weingärtner, Geschäftsführender Direktor für Ford Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie Geschäftsführer Marketing und Sales der Ford-Werke GmbH begründete dies folgendermaßen:

Ford sei in Europa im Pkw-Bereich, gemessen an den Stückzahlen, ein eher kleinerer Anbieter. Daher würde Ford das europäische Pkw-Geschäft neu denken und künftig deutlich pointierter auftreten wollen. Man werde deutlich spannender und emotionaler und konzentriere sich zukünftig auf Produkte, welche nur Ford könne. Unter dem Begriff Abenteuergeist („Adventurous Spirit“) würden künftig die Ford-Fahrzeuge in vier Gruppen vermarktet. Damit sollten Emotionen geweckt und die Stärken der Marke endlich wieder hervorgehoben werden.

Die neue Firmenstrategie wurde, analog zum neuen Claim, auch nicht in einem Kongresszentrum verkündet, sondern in einem Zelt auf einer Alm mitten im Tiroler Winter. Man möchte nicht mehr hinterherlaufen, sondern vorweggehen bei der Fahrzeugentwicklung, so die klare Botschaft von Christian Weingärtner. So bilden „Wild Performance“, „Urban Escape“, „Active Adventure“ und „Ultimate Outdoor“ – also ungezügelte Leistung, städtische Fluchten, aktives Abenteuer und ultimatives Outdoorerlebnis die fokussierten Einsatzbereiche. Die Einteilung scheint schlüssig.

An den Rändern (Wild Performance und Ultimate Outdoor, Red.) soll in Folge der emotionale und polarisierende Fokus auf die Fahrzeuge Mustang, dem elektrischen Mach-E sowie Raptor, Lightning und Bronco liegen. In der Mitte darf es mit Volumen -Fahrzeugen wie dem Kuga und Puma sowie vielen Neuentwicklungen beherzt zugehen.

Das bedeutet: Mit Kultfahrzeugen wie den beiden Mustang-Sportwagen samt Cabrio, die durchaus rennstreckentauglich sind, sowie den Offroadern Bronco, Raptor und Lightning begeistert man -die echten – Automobilfreaks. Ja, wen denn sonst?

Mit den praktischen Alltagsfahrzeugen für Familie und Beruf und fürs Pendeln zwischen Arbeitsplatz und zu Hause gibt es weiterhin das übliche Massensegment.

Deswegen helfe es Ford uns auch nichts, wenn 100 Prozent der Leute die Brand okay fänden. Es sei viel besser, wenn nur 10 Prozent der Leute die Marke mit dem neuen Claim wirklich lieben. Jene Liebe soll durch die amerikanischen Marktlieblinge Bronco und den Pick-up Raptor aus der erfolgreichen Ranger-Familie entstehen und vertieft werden.

Weiters ist „Die Zukunft von Ford elektrisch“, so Weingärtner, hier gehe man „all in“. Ford wird noch heuer in Europa drei neue Elektro-Pkw-Modelle und vier neue Elektro-Nutzfahrzeuge auf den Markt bringen. 

Beliebte kleine Modelle wie Fiesta oder Focus werden oder sind schon aus dem Programm genommen worden. Da der Bronco in den USA sehr beliebt ist und lange Lieferzeiten hat, wird die limitierte Anzahl für die Atlantiküberquerung sehr überschaubar bleiben.

Dann gibt es jedoch einen echten Kraxler mit V6 Motor, 2,7 Litern Hubraum und 335 PS. Der Bronco war und ist traditionell der robuste und vielseitigste Geländewagen von Ford. Es soll nach dem Vorbild des Pickup Trucks F 150 Lightning eventuell sogar irgendwann einmal eine Elektroversion angedacht werden.

Und natürlich führt diese Neuauflage des Klassikers zu Begehrlichkeiten. Eckig. Kantig. Kultig. Laut Ford Chef Jim Farley wird hier die Robustheit eines Pick Ups mit der Power eines Mustangs vereint. Also in Summer erstklassige Hardware und exklusive Technologien miteinander verbunden. Immer im Hinterkopf die Symbiose aus altem Charme und modernes Design.

Im Regelfalle fährt sich der Bronco mit Hinterradantrieb. Unzählige Dreh-, Kipp und Touchzusatzschalter erlauben mannigfaltige Sperren ein- oder eben auszuschalten. So kann bestenfalls mit gutem Gewissen der Ausflug in unliebsames Gelände von Statten gehen. Ob Geröllfeld, Schneepiste, Matsch oder Sand. Der Bronco geht überall durch. Wie ein Wildpferd. Ungezähmt. Und Laut.

Das amerikanisches Freizeitmobil lässt sich mittels verschiedene Dachmodule samt einzelner Segmente in ein komplettes Cabrio verwandeln. Bis hin zum Strandbuggy ohne die rahmenlosen Türen.

Die Idee ist sensationell. Mit der Durchführung derselbigen war es dann aber auch schon geschehen. Denn merke: mit einem Dachträger ganz oben geht das nicht. Entscheidender ist im harten Offroad-Einsatz die Bodenfreiheit. Hier bietet der Bronco Badlands mit 221 mm (beladen) und 261 mm (unbeladen) Bodenfreiheit. Der Ford Bronco ist höher, als er breit ist. Das bemerkt man nach dem Einstieg. Und wehe, die Schwiegermama will mitfahren. Auf alles Sitzen herrscht reichlich Platz. 

Im Bronco Badlands werden 562 Liter Kofferraumvolumen geboten – bei flach gelegter Rückbanklehne1.804 Liter. Genug für den Outdoortrip. Die Geländemechanik, der große Luftwiderstand und der große Rollwiderstand lassen den Spritverbrauch anheben. Als waschechter Geländewagen genehmigt sich der 2,7 Liter Biturbo mit 10 Gang Automatik – bei wahrlich zahmer Fahrweise – ungefähre 10 bis 11 Liter. So genau haben wir nicht gemessen. Spass und so…

Trotz der viel Zuladung versprechenden Masse und der Dimensionen ist die zulässige Zuladung niedriger als gedacht. Im Badlands dürfen maximal 387 kg zugeladen werden. Wegen der speziellen Dachkonstruktion sind auch die Dachlast mit 50 kg sowie die Anhängerlast von 1 Tonne nicht besonders hoch. Aber: egal, wo wir mit dem Ford Bronco Badland aufgetaucht sind: Es ist ein echter Hingucker, allein schon durch seine Präsenz und seine massive Gestalt.

Die Motorisierung mit 335 Pferdestärken genügen vollkommen für dieses Fahrzeug. Große Sprint Aktivitäten sind nicht drin. Auf Autobahnfahrten wird es trotz geschlossenem Dach etwas lauter, telefonieren über Carplay eine nicht leicht zu bewältigende Übung. Schwiegermama, du weißt eh.

Im unwegsamen Gelände fühlt sich der Bronco pudel- nein, pferdewohl. Viel wohler als auf der asphaltierten Straße. Galloppieren, beispielsweise auf Matsch, Schnee oder Geröll: alles so einfach wie der Schusswaffenerwerb in den USA. Insgesamt sitzt man sehr erhaben im Ford Bronco, immer etwas höher als die anderen im Straßenverkehr. Manko ist die Übersicht nach vorne, weil man die Stoßstange und das vordere Abschlussteil überhaupt nicht überblicken kann.

Der sogenannte Goatmode. „Goes over any type of touren“ macht aus dem Bronco ein Arbeitstier im Gelände. Seine Bodenfreiheit von über knapp 29 Zentimetern, dem Rampenwinkel von 26 Grad sowie dem hinteren Böschungswinkel von 37 Grad kombiniert mit der Wattiefe von über 85 Zentimetern zeugen von durchdachter Offroadphilosophie.

Die steil stehende Windschutzscheibe lässt Erinnerungen an ältere Modelle aufleben. Im und am Fahrzeug gibt es viele wunderschöne Details – zumeist im schroffen Orange gehalten. Nach dem Aufsatteln zeugen saher viele Kippschalter, moderne Begrüßungssequenzen per Monitor und eine Masse an Broncologos von der Echtheit des Pferdes.

Ach ja, Waschanlagen mag der Bronco nicht. Man fährt kurz rein und sucht sofort die Stufe „R“ auf der Automatik. Zu groß, zu dick, zu wild. Hochdruckreiniger für außen und die Gummimatten auf dem Boden – das mögen Broncos schon eher. Warum in aller Welt ist es dann nicht DIE Bronco?

Ein Hauch von Old-School-Coolness, während Spotify vom Handy gespielt wird.  Die Welt ist ein besserer Ort mit einem Bronco. Er ist nicht perfekt – aber er macht immer Spaß. In einer Welt der uncoolen und schmerzhaft langweiligen Crossovers überall.

Ein kleines Ärgernis ist die hintere Ladetür. Nur zu öffnen zur Beifahrerseite des Autos. Anfangs wurden Einkäufe – am Parkplatz rückwärts eingeparkt – aufregend.

Unser Gesamtkraftstoffverbrauch lag bei 12 Liter Superbenzin, was in Anbetracht der schieren Präsenz ein erstaunlicher Wert ist. Der einfache Wechsel zwischen Zwei- und Vierradantrieb macht es einfach, sich durch die Taiga von Niederösterreich zu navigieren. Wien? Nein, schlechte Idee. Wahrlich.

Das zeitlose und coole Design scheint die größte Stärke des Bronco zu sein. Der bisher größte Nachteil unseres Bronco sind sowohl die Wind- als auch die Innenraumgeräusche beim Fahren auf der Autobahn. Aber wer eben Lifestyle und so…

Trotz aller Nostalgie zeigte sich unser Bronco Badlands als knallhartes Offroad-Biest, welches anscheinend durch nichts und niemanden am Vorankommen gehindert werden könnte. Und ja, auch als Elektrobefürworter sage ich – es geht nur um Spaß!

Mindestens – ich gestehe, ich finde den exakten Preis nicht -100.000€ werden inklusive einer hohen Steuer und Normverbrauchsabgabe Nova in Österreich zu zahlen sein.

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