Teil 2: Fitz Indra
Im ersten Teil dieser Serie ging es um den ehemaligen Entwicklungsleiter vom Daimler, Thomas Koch. Er versucht sich in diplomatischem Geschick und hofft auf eine Koexistenz von Verbrennungs- und Elektroantrieb. Sein Artgenosse Fritz Indra aus Wien ist da radikaler unterwegs. Dieser Verbrenner-Papst verlässt dabei oft den Faktenraum.
Fritz Indra kommt aus Wien und hatte nach dem Studium des Maschinenbaus diverse Funktionen im Bereich Motorenentwicklung inne. Von 1985 bis heute ist er an der TU Wien zu Verbrennungskraftmaschinen im Fachgebiet „Rennmotoren und Rennwagen“ aktiv.
Der Rennsport muss für einige (meist männliche) Menschen eine sehr emotionale Angelegenheit sein. Mir persönlich hat sich nie erschlossen, was so spannend daran ist, mit einer stinkenden Ölheizung auf Rädern um die Wette im Kreis zu fahren. Aber da das Ganze ein riesen Geschäft ist, muss es ein offensichtlich emotionales Bedürfnis dafür geben. Einige werden sicher damit argumentieren, dass im Rennsport auch Entwicklungen für die Serie gemacht wurden. Das stimmt, jedoch hätte man die Erkenntnisse auch ohne diesen schmutzigen und nicht ungefährlichen „Sport“ gewinnen können.
Zurück zu Fritz Indra. Er ist seit Langem dem Verbrenner verbunden und wahrscheinlich ist für ihn der Beruf eine Berufung. Das könnte zumindest erklären, warum er bei dem Thema meist sehr weit weg von der Realität „argumentiert“.
Fritz Indra zu Verkaufszahlen von Elektroautos:
„Tatsächlich gehen die Zahlen fast überall zurück. Es sieht so aus, als sei 2023 in vielen Ländern der Erde schon das Spitzenjahr für Elektroautos gewesen”.[1]
Diese Aussage ist in jeder Hinsicht falsch. Die Internationale Energieagentur (IEA) zeigt ein exponentielles Wachstum für E-Antriebe in den letzten Jahren und die Tendenz ändert sich nicht.[2] Sogar in Deutschland, dem Land der dogmatischen Verehrung der rollenden Ölheizungen und wo die Elektroauto-Kaufprämie auf Druck des damaligen FDP-Finanzministers Lindner abgeschafft wurde, steigen die Neuzulassungen von Elektroautos nach einem Einbruch weiter an.[3]
Weltweit gehen die Markanteile für Verbrenner seit 2017 zurück, während jene für Elektroautos steigen.[4] Die Ursachen dafür sind klar: Das Elektroauto ist nicht nur bezüglich Effizienz und Klimabilanz dem Verbrenner überlegen, es rechnet sich auch und ist wirtschaftlicher. Die Aussagen von Herrn Indra entspringen daher sehr wahrscheinlich seinen Wunschvorstellungen, aber sicher nicht der Realität.
Fritz Indra: „Meiner Ansicht nach ist das E-Auto für 85 Prozent der Kunden nicht gut genug, weil sie sich damit mehr Nachteile einhandeln als Vorteile“.[5]
Auch das ist eine plumpe Behauptung ohne Fakten. Das E-Auto funktioniert für fast alle weit besser als jeder Verbrenner. Die Frage ist nur, ob man sich darauf einlassen möchte. Herr Indra versucht durch seine Falschaussagen Menschen davon abzuhalten sich darauf einzulassen. Die, die es getan haben, gehen nur sehr selten wieder zurück zum Verbrenner, weil sie die enormen Vorteile des elektrischen Antriebs zu schätzen wissen.[6]
Fritz Indra: „Sie wissen genau, was der Abbau von Lithium und Kobalt für Natur und Menschen bedeutet und dass die E-Mobilität bei einer gesamtheitlichen Betrachtung einfach nicht bestehen kann”.[7]
Interessant ist, dass die Verbrenner-Fans immer dann ihr Umweltbewusstsein entdecken, wenn es darum geht, die weitaus umweltfreundlichere Technologie zu diskreditieren. Bei Elektroautos werden Probleme bei den Rohstoffen extrem thematisiert, während man das gleiche Problem bei Verbrennungsantrieben runterspielt bzw. ignoriert.
Für die Erzeugung fossiler Energieträger braucht man erheblich mehr Metalle als für erneuerbare Technologien, zu denen auch Batterien gehören.[8] Zudem tun Leute wie Indra so, als würde der Kraftstoff für ihre geliebten Verbrenner an der Tankstelle auf Bäumen wachsen.
Fritz Indra: „Den vom Verbrennern gewohnten Materialkreislauf gibt es beim Elektroauto einfach nicht. Wir laufen auf eine echte Umweltkatastrophe zu, zumal diese Autos ja nicht wie Verbrenner jahrzehntelang betrieben werden können, sondern viele von ihnen nach weniger als 10 Jahren bereits ans Ende ihrer Lebensdauer kommen”.[9]
Auch diese Aussage ist absoluter Unsinn. Im Gegensatz zum Verbrenner ist bei elektrischen Fahrzeugen ein Recyclingprozess fast zu 100% möglich. Autobatterien werden schon heute nach ihrem Autoleben als Hausspeicher weiterverwendet[10] und Recyclingkapazitäten wachsen kontinuierlich mit.[11] Die vorhandenen Kapazitäten sind bisher noch nicht mal ausgelastet, weil Batterien länger halten als erwartet.[12]
Die Aussage, dass Elektroautos weniger als 10 Jahre hielten, ist frei erfunden. Das Gegenteil trifft zu. Elektroautos sind deutlich langlebiger und die Batterie, die Indra als Hauptschwäche aufführt, hält meist länger als das Auto selbst.[13] Außerdem geben Hersteller oft 8 Jahre oder länger Garantie auf 70% bis 80% der Kapazität.[14] Einige geben sogar eine autolebenslange Garantie auf alle Hochvoltkomponenten.[15] Wenn also Elektroautos so anfällig wären, wie es Indra behauptet, wären die Hersteller allesamt sehr irrational unterwegs.
Fritz Indra: „Er hat einen sehr schlechten CO2-Fußabdruck und wenn man diesen Strom ansetzt, dann holt das Elektroauto, das von vornherein mit einem riesigen Emissions„Rucksack“ in den Wettbewerb geht, den Verbrenner über die gesamte Lebensdauer nicht mehr ein.“[16]
Die Behauptung über die angeblich so schlechte Umweltbilanz von Elektroautos und einer angeblichen Überlegenheit des Verbrenners wird von den Fans der Technik von gestern gerne geritten. Diese Aussagen sind allesamt falsch. Die Umweltbilanz wurde in den letzten Jahren mehrfach in verschiedenen Studien nachgerechnet.[17] [18] [19] [20]
Damit endet der zweite Teil dieser Serie. Im dritten Teil widmen wir uns einem weiteren österreichischen Protagonisten, der zwar nicht so eng mit der Verbrennerwelt verhaftet war, aber dennoch ein sehr starkes emotionales Verhältnis verspürt, sich in den Dienst der Fossil-Lobby zu stellen.
[1] https://www.focus.de/auto/news/fritz-indra-im-interview-e-auto-kritiker-warnt-vor-chinas-autoindustrie_id_260430174.html
[2] https://www.iea.org/reports/global-ev-outlook-2024/trends-in-electric-cars
[3] https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/volkswagen-in-der-krise-deutschland-hat-ein-anti-e-auto-problem-kolumne-a-8cb9903c-8345-4663-a5af-47fa6f0c4fa7
[4] https://www.nathanielbullard.com/presentations
[5] https://www.focus.de/auto/news/fritz-indra-im-interview-e-auto-kritiker-warnt-vor-chinas-autoindustrie_id_260430174.html
[6] https://www.volksverpetzer.de/faktencheck/jeder-dritte-e-auto-fake/
[7] https://www.focus.de/auto/news/fritz-indra-im-interview-e-auto-kritiker-warnt-vor-chinas-autoindustrie_id_260430174.html
[8] https://www.sustainabilitybynumbers.com/p/mining-low-carbon-vs-fossil
[9] https://www.focus.de/auto/news/fritz-indra-im-interview-e-auto-kritiker-warnt-vor-chinas-autoindustrie_id_260430174.html
[10] https://www.elektroauto-news.net/wissen/gebrauchte-elektroauto-batterie-hausspeicher
[11] https://www.isi.fraunhofer.de/de/blog/themen/batterie-update/lithium-ionen-batterie-recycling-europa-kapazitaeten-update-2024.html
[12] https://saubermacher.at/content/uploads/Presseaussendung_Batterierecycling_Global-Recycling-Day_15.03.22.pdf
[13] https://www.auto-motor-und-sport.de/tech-zukunft/alternative-antriebe/elektroauto-akku-batterie-haltbarkeit-studie/
[14] https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/laden/elektroauto-batterie/
[15] https://efahrer.chip.de/news/lebenslange-garantie-fuer-e-auto-akku-diese-hersteller-gewaehren-sie-jetzt_1021244
[16] https://www.focus.de/auto/news/fritz-indra-im-interview-beruehmter-motoren-prof-die-elektromobilitaet-beginnt-jetzt-zu-scheitern_id_259541369.html
[17] https://www.isi.fraunhofer.de/content/dam/isi/dokumente/sustainability-innovation/2020/WP-01-2020_Ein%20Update%20zur%20Klimabilanz%20von%20Elektrofahrzeugen.pdf
[18] https://www.bmk.gv.at/themen/mobilitaet/alternative_verkehrskonzepte/elektromobilitaet/zahlen/oekobilanz.html
[19] https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/klimavorteil-fuer-e-autos-bestaetigt
[20] https://www.vdi-nachrichten.com/technik/mobilitaet/verbrenner-koennen-bei-der-klimabilanz-mit-e-autos-nicht-mithalten/












