Der dritte Teil der Serie widmet sich dem Verbrenner-Papst Georg Brasseur. Auch er macht mit Falschaussagen zu den Themen Elektromobilität und Energiewende von sich reden.

Georg Brasseur ist emeritierter Professor für Messtechnik an der Universität Graz und hat in seinem Leben primär in der Verbrennertechnik gearbeitet. Schon seine Promotion befasste sich mit elektronischer Dieselregelung und er baute eine Arbeitsgruppe auf, die sich mit Automobilelektronik beschäftigt. Eine weitere Station war die Leitung des Christian Doppler-Laboratoriums für Kraftfahrzeugmesstechnik.

Er ist außerdem Mitglied des Lobbyverbands „E-Fuels Alliance“, der im Sinne der Fossil-Lobby für synthetische Kraftstoffe wirbt. Nur wird es diese eFuels, wie in Teil 1 beschrieben, für die Straßenanwendung nicht geben wird und wenn wären sie sehr teuer. Die Erzählung vom Überleben des Verbrennerantriebs durch synthetische Kraftstoffe dient primär dem Erhalt der Geschäftsmodelle der fossilen Branchen, die nicht akzeptieren wollen, dass ihre Logistik und Tankstellen in absehbarerer Zeit wertlos – zu so genannten „Stranded Assets“ – werden.

Herr Brasseur hält gerne Vorträge, die von der besagten E-Fuels Alliance und leider auch von der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) ausgerichtet werden. Wie etwa die „Igler Mobilitätsgespräche“ in Tirol im Dezember 2023 unter dem Titel: „Verbrenner-Aus ab 2035? Ideologie versus Realität“. Schon der Titel versprach nichts Seriöses. Ich war vor Ort und konnte die maximale Menge Unsinn pro Zeiteinheit kaum fassen.

Der Beitrag von Herrn Brasseur war der Kern der Veranstaltung und wurde für alle, die sich mit Themen rund um Klimakrise, ihre Ursachen sowie der Energiewende auskennen, zur Nagelprobe. Die schiere Menge an „Fakten“ – also aus dem Kontext gerissene und/oder zugunsten von fossilen Energieträgern interpretierte Aussagen – ließ sich nur schwer ertragen, wenn man mit der Materie bewandert ist.

Herr Brasseur spricht lieber von „Defossilisierung“ als von „Dekarbonisierung“.

Das Problem, dass bereits zu viel CO2 durch fossile Energieträger ausgestoßen wurde, löst er scheinbar, indem er die heute bereits vorhandene Menge an CO2 ignoriert und stattdessen von „Defossilisierung“ redet. Das muss er machen, weil sonst die Rechtfertigung von eFuels nicht aufgeht. Diese Treibstoffe emittieren bei der Verbrennung das zuvor mit viel Energieaufwand entzogene CO2 wieder in die Atmosphäre. Damit ist eine Reduktion der CO2-Konzentration – also die notwendige Dekarbonisierung – nicht möglich.

Falschaussage: Fossile Energieträger seien günstig

Fossile Energieträger sind die teuerste Energieform, die wir haben (etwa gleichauf mit Kernenergie). Fossile Energieträger wirken nur vordergründig günstig, wenn man die Folgen der Emissionen ignoriert, zu denen auch Naturkatastrophen, Ernteausfälle und gesundheitliche Schäden gehören. Forschende der Cambridge University, dem University College London und dem Imperial College London haben berechnet, dass die tatsächlichen Kosten von Treibhausgasemissionen bei 3000 US Dollar pro Tonne liegen .

Vernebelungstaktik: Fossile Energieträger haben eine höhere Energiedichte als Batterien

Bei der Energiedichte wird es etwas komplizierter. Herr Brasseur betonte zum Beispiel, dass die Energiemenge, die man beim Tanken von 60 Litern Diesel bekommt, bei 600 kWh läge. Der Wert ist erstmal korrekt und er klingt damit sehr verlockend. Gerade wenn man bedenkt, dass eine heute handelsübliche Batterie 300-500 Wh pro kg speichern kann (Tendenz steigend).

Was er aber nicht sagt, ist Tatsache, dass von den 600 kWh im Verbrennungsmotor nur etwa 120 kWh für Bewegung übrigbleiben. Der Rest verpufft in nutzlose Wärme. Ein E-Fahrzeug hingegen kann den Großteil der Energie in Bewegung umsetzen. Es ist damit etwa 5x effizienter als jeder Verbrennungsantrieb. Das wird sich auch in den nächsten Jahrzehnten nicht ändern, denn keine Technologie der Welt verändert die Regeln der Physik und damit die des Verbrennungsmotors.

Falschaussage: Erneuerbare Energien sind hierzulande keine Option, weil sich Europa nie autark mit Energie versorgen könne.

Das ist im Kern falsch und es wurde bereits mehrfach nachgewiesen. Auch die Internationale Energieagentur (IEA) stellte im World Energy Outlook 2023 fest, dass alle Technologien für die Energiewende verfügbar seien. Es gibt keinen Grund mehr, an fossilen Energiequellen und dem Verbrenner festzuhalten. Dass Herr Brasseur das nicht weiß, erscheint unwahrscheinlich.

Wünsch Dir was: Neokolonialismus für Energie aus Afrika

Als Lösung zu den vermeintlichen Problemen präsentierte er eFuels, die man in Nordafrika herstellen und dann nach Europa transportieren müsse. Herr Brasseur postulierte, dass der Netzausbau und die Energiewende in Europa nicht möglich seien. Im Gegenzug hält er aber den Bau von großen Energieerzeugungsanlagen in Nordafrika und von Pipelines von dort durch viele, teils politisch instabile Länder und das Mittelmeer, für eine echte Option.

Wie sehr Georg Brasseur falsch liegt, kann man in einem Interview mit dem STANDARD lesen. Dort behauptete er noch im Januar 2023, dass Elektroautos schnell wieder verschwinden würden. Dabei war damals längst klar, dass der Verbrenner stirbt.

Herr Brasseur verbreitet in diesem Interview die üblichen Falschaussagen, indem er die den Strombedarf für E-Autos bemängelt, während ihm offenbar ein weitaus höherer Strombedarf für die Herstellung von eFuels egal zu sein scheint. Zusätzlich bringt er eine Art des Neokolonialismus auf dem afrikanischen Kontinent ins Spiel. Hier muss man auch der Redaktion des STANDARD die Frage stellen, warum man so einem eklatanten Unsinn eine Plattform gibt.

Akademische Grade sind kein Indikator für Kompetenz und auch keiner für Richtigkeit. Die genannten Herren Koch, Indra und Brasseur sind besonders populäre Beispiele. Es lohnt sich genau zu schauen, aus welchem Stall jemand kommt und was jemanden motiviert, gewisse Aussagen zu behaupten.

Dr. Mario Buchinger, geb. Kuduz, 1975 ist Transformations-Experte, Physiker, Musiker und Autor. Der Lean- und Kaizen-Spezialist war zehn Jahre als Angestellter und Führungskraft bei Daimler und Bosch tätig, bevor er 2014 das auf Strategie-, Prozess- und Klima-Transformation spezialisierte Unternehmen Buchinger|Kuduz gründete. Zu den Kunden zählen neben Industrieunternehmen u.a. auch Banken und öffentliche Behörden.

Bild via KI erstellt – Die Meinungen des Autors geben nicht zwangsweise die Meinung des Vereins wider.

[1] https://www.buchingerkuduz.com/blog/die-luegen-der-fossil-lobby/

[1] https://www.wko.at/tirol/handel/energiehandel/igler-mobilitaetsgespraeche

[1] https://www.theguardian.com/environment/2021/sep/06/climate-crisis-transatlantic-flight-global-economy-gdp

[1] https://www.energiezukunft.eu/politik/europa-kann-bis-2030-energiesouveraen-werden/

[1] https://www.iea.org/reports/world-energy-outlook-2024

[1] https://www.derstandard.de/story/2000141094353/forscher-e-autos-werden-schnell-wieder-verschwinden

[1] https://www.derstandard.de/story/2000141094353/forscher-e-autos-werden-schnell-wieder-verschwinden

[1] https://www.nathanielbullard.com/presentations

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