Marco Polo auf Basis der V-Klasse: noch stilvoller, noch komfortabler

Seit 2015 präsentiert sich der Marco Polo in seiner aktuellen Form, basierend auf der V‑Klasse. Die vierte Generation des Marco Polo, aufbauend auf der Großraumlimousine V-Klasse, legte neue Standards mit Blick auf Ästhetik und Komfort fest.

Ob uns der neue Marco Polo in einer besonders gut ausgestatteten AMG Line taugt? Das wollen wir auf einem Kurztrip im Skiurlaub herausfinden.

Mercedes-Benz Marco Polo feiert 40-jähriges Jubiläum

Der erste Marco Polo gehörte in den 1980er-Jahren zu den kompakten Campern, die das Segment definierten. Seine charakteristischen Merkmale: die Stummelhaube, der bahama-beige Lack und das beige-braune Interieur, das damals als das „Must-Have“ für anspruchsvolle Camper galt. Da das T1 Basisfahrzeug anfangs in Bremen produziert wurde, erhielt er den Spitznamen „Bremer Transporter“. Mit einer Höhe von 2,97 Metern war der erste Marco Polo eine imposante Erscheinung. 1988 folgte die Modellpflege. Das grundlegende Wohnkonzept des Marco Polo ist seit der ersten Generation unverändert. Es umfasst bis heute unter anderem ein Dachbett, eine Sitz-/Liegebank im Fond, drehbare Fahrer- und Beifahrersitze, eine Küchenzeile mit Spüle, Kocher und Kühlbox sowie Schrank- und Schubladenmodule.

Seit der Modellpflege im Jahr 2019 und den folgenden Aktualisierungen bietet der Marco Polo zudem noch mehr Technologie, darunter das innovative Multimediasystem MBUX (Mercedes-Benz User Experience) und die fortschrittliche Camper-Bedieneinheit MBAC (Mercedes-Benz Advanced Control), die das Fahrzeug zu einem Smarthome für Reisende und digitale Nomaden umwandelt.

Luxus, das heißt für uns entspannt in Richtung Urlaub zuckeln. Sich morgens ohne große Umbauarbeiten den ersten Kaffee kochen zu können. Bequeme Betten und gut nutzbare Stauräume – was will Frau denn mehr? Smart Home und Augmented Reality? Ok, ab hier ist es auch anbei.

Komfortables Fahrgefühl im neuen Mercedes-Benz Marco Polo

Die V-Klasse Marco Polo besticht u.a. mit einem nochmals hochwertigeren Look und Feel im Exterieur und Cockpit.

Hinter dem Lenkrad sitzend lieferte schon die letzte Marco-Polo-Generation gute Argumente. Antriebsstrang und Fahrwerk bieten keinerlei Anlass für Kritik. Aus Trucker Liesl wird Roadtrip Tom.

Die bereits seit 2022 erhältliche Vollluftfederung Airmatic zeigt sich im Vergleich zur konventionellen Stahlfeder durch einen etwas gediegeneren Federungskomfort, jedoch ohne, dass sich der im Urlaubsmodus knapp drei Tonnen schwere Benz übermäßig aufschaukeln oder ins Wanken geraten würde. Je nach Fahrsituation und Geschwindigkeit kann das Fahrzeug abgesenkt oder angehoben werden. Beispielsweise, um bei hohem Tempo etwas Sprit zu sparen. Camper profitieren vom Luftfahrwerk sogar ganz besonders.

Hochwertige Sitze und modernisiertes Cockpit

Der Innenraum hat sich heuer zu einer sehr exklusiven Lounge verwandelt. Vom Cockpit bis hin zum Wohnbereich. Zu den Highlights gehörten und gehören weiterhin ein Bodenbelag in Yachtoptik, stimmungsvolle LED-Innenbeleuchtung – inklusive optionalem Ambiente Licht – sowie eine breite Auswahl an hochwertigen Zierelementen und Polstern.

An der leicht erhöhten Sitzposition hat sich nichts getan. Eine Änderung hatten die bequemen Pilotensessel mit gutem Seitenhalt aber auch nicht nötig. Das weiche Nappaleder ist top verarbeitet und kann demnach nicht mit den Nachrüst-Lösungen der umgebauten Kastenwagen verwandt sein. Aber natürlich dürfte das Gestühl kompakter bauen, damit das Drehen endlich leichter von der Hand geht. Wirklich neu ist der Armaturenträger. Jener verliert den aus der Mode gekommenen Schwung, erhält schlankere Lüftungsdüsen, zwei 12,3 Zoll große Displays in Widescreen-Optik, eine 64-farbige Ambientebeleuchtung sowie höherwertigere Materialien – teilweise kommt aber immer noch hartes Plastik zum Einsatz. Und ausgerechnet mittig im Fahrersichtfeld, wo die beiden Armaturenbrett-Teile gestoßen werden, klafft ein unschöner Spalt inklusive Versatz und Grat – ein winziges Detail, das dem detailverliebten Premium-Kunden dennoch auffallen dürfte und den Eindruck über das ansonsten sehr gelungene, neue Cockpit minimal trübt.

Sehr gelungen? Dieses große Lob gibt’s, weil der neue Armaturenträger deutlich niedriger baut, was die Übersicht nach vorn nochmals verbessert. Der Fahrer hat stets alles im Blick – besser geht das nur noch mit einem Head-up-Display, auf das die V-Klasse leider verzichtet. Und so projiziert die optionale Augmented Reality-Erweiterung des Navis ihre richtungsweisenden Pfeile lediglich ins Kamerabild auf dem Infotainmentscreen. Gleiches gilt für die Assistenzsysteme, die beispielsweise die Spur und den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug feinfühlig halten – letzteres dank Navi-Daten sogar an Kreuzungen.

Fahren ist immer noch die Paradedisziplin des Marco Polo. Das neue Cockpit wirkt nicht nur moderner, die intuitive Bedienung mit MBUX und digitalen Features macht Freude

Mercedes-Benz hat es außerdem geschafft, die Flut an Funktionen und Informationen logisch ins hauseigene Multimediasystem MBUX zu sortieren. Die Mixtur aus haptischen Tasten, touch-sensitiven Feldern und einem kompetenten Sprachassistenten scheint gelungen, bevor das alles zu sehr vom Wesentlichen ablenken würde: dem Fahren selbst. Der Touchscreen muss fast nur im Stand genutzt werden. Aber beim Lenkrad hätten wir mehr haptische Tasten bevorzugt.

Starke Motorisierung mit sanfter Automatik

Auch mit der Abgasnorm Euro 6e zeigt sich der Zweiliter-Vierzylinder stets souverän, zumal wir in der 237 PS starken Topversion unterwegs sind. Sein Charakter definiert aber vor allem das bärenstarke Drehmoment. Als Handschalter lässt sich der Marco Polo hingegen mehr konfigurieren. Mit dem Wandler dreht der OM 654 entspannte 1.500 Umdrehungen bei Tempo 130 in der neunten Fahrstufe, die Gangwechsel bis dahin passieren beinahe unbemerkt. Wunderbares gleiten und immer genug Power. Wirklich!

Flexible Sitzbank

Nichts zu meckern gibt’s bei der verschiebbaren Klappsitzbank im Fond des Mercedes-Benz Marco Polo: Das Komfortlevel rangiert auf dem von Einzelsitzen – mit Sitzwangen, die sich für mehr Seitenhalt aufblasen lassen. Langstrecke? Kein Problem. Fraglich nur, ob der Klappmechanismus (sowie die Schiebetür und die Heckklappe) wirklich elektrisch sein muss. Aber Luxus ist Luxus. What else?.

Digitalisierung

Und damit müssen wir ein zweites Mal auf die Airmatic zu sprechen kommen, die mit dem Facelift auch das Nivellieren des Marco Polo übernimmt. Höhenunterschiede von bis zu zwölf Zentimetern können ausgeglichen werden. Kein lästiges Handwerk – und: alles bequem per Knopfdruck auf dem Multimediascreen.

Alles andere (Aufstelldach, Kühlbox, Standheizung, Licht und Soundsystem) lässt sich sogar per App steuern, plus die Füllstände (Bordbatterie und Wassertanks) überwachen. Wir waren stets der Ansicht, dies nicht zu brauchen. Und dann liegst du im Aufstelldach, fährst die Kühlbox runter und die Heizung hoch. Löscht das Licht dort, wo es nicht mehr benötigt wird. Zugegeben, das ist High End Luxus.

Grundriss, Verarbeitung und Stauraum

So viel zur Digitalisierung. Bleibt noch zu klären, wie gut der Marco Polo auch die klassischen Camper Van-Disziplinen beherrscht. Schon seit 1996 setzt man beim Grundriss auf die bewährte Form mit fahrerseitiger Schrankzeile, in jeder Generation ein bisschen edler als zuvor und als das, was bei den meisten Mitbewerbern umgesetzt wird. Aktuell machen besonders die Blenden aus Alu-Sandwich und Glas sowie die eloxierten Griffleisten Eindruck. Softclose, eine klapperfreie Verarbeitung und perfekte Spaltmaße sind selbstverständlich.

Im hohen Kleiderschrank, der Lade in der Klappbank und im Dachstauschrank bringen zwei Personen locker ausreichend die gesamte Bekleidung unter. Zu dritt oder viert muss natürlich sparsamer gepackt werden.

Für zusätzliche Euroboxen oder eine Reisetasche ist der Kofferraum im Marco Polo eigentlich nicht gedacht. Aber wir fahren ja Ski- da geht fast alles rein.

Alle Stauräume sind sinnvoll unterteilt und gut erreichbar.

Schlafkomfort

Wir liegen überraschend bequem. Westfalia befestigt den Bettrahmen mit Riemen an der Dachschale – trotz optional elektrohydraulischem Hebemechanismus bedarf es also einer gewissen Körpergröße, um die Konstruktion zu bedienen. Für Kinder hingegen lässt sich die notwendige Absturzsicherung befestigen. Auch Schwanenhalslampen und USB-Steckdosen fehlen nicht. Der Insektenschutz aus Mischgewebe ist deutlich dichter als Standard-Fliegengitter. Neugierige Blicke? Keine Chance.

Küche

Die Küchenausstattung punktet mit einem Zweiflammkocher, dessen elektrisch zündende Brenner mit ausreichend Abstand platziert wurden. Hier können auch größere Töpfe gleichzeitig befeuert werden. Auch deshalb ist die Spüle mit 25 Zentimeter Durchmesser klein, die konkave Form im Allgemeinen etwas unpraktisch. Die gefrierfähige Kühlbox nebenan ist als Toploader ohne Einhängekorb ausgeführt, sodass man immer ein wenig wühlen muss.

Ausgeschaltet wurde die Kühlbox nachts nicht, um Strom zu sparen – obwohl das bei einer Bordbatterie mit 95 Ah und AGM-Technik auch keine schlechte Idee ist.

Fazit

Der von uns getestete Wagen ist eine Luxus Vanlife Kombi der Extraklasse. Stark motorisiert und stets drehfreudig gab es nirgendwo Anfahrschwierigkeiten am Berg. Platz im Überfluss, Schlafgelegenheiten an jeder Ecke und Kurve – Twinherzerl, was willst du mehr?

Sehr fein sind das elektrisch ausfahrbare Hubdach und die automatisierte Justierung der Lage. Die Camper Level-Control gleicht kleinere Bodenunebenheiten selbstständig aus und macht Unterlegkeile überflüssig – so wird fast jeder Stellplatz zur perfekten Camping-Basis. MBUX und MBAC bieten neue Funktionen, wie die smarte Steuerung der AIRMATIC Niveau Regulierung im Camper-Betrieb. Damit überzeugt das neue Modell mit einem unvergleichlichen Glamping-Erlebnis.

In Summe weiss man eh, dass der Marco Polo nichts für den ganz kleinen Geldbeutel ist. Das muss stets klar sein. Dennoch ist der von uns gefahrene Praxistestwagen leider zu retournieren gewesen. Was wäre das ein wunderbares Mobil für die Sommerferien…

Die Zukunft des Campings mit Stern heißt VAN.EA

Eines der Fokusthemen für die Zukunft des Marco Polo ist Elektromobilität. Mercedes-Benz hat den Führungsanspruch bei Elektromobilität fest in der Strategie verankert. Der zentrale Schritt in die elektromobile Zukunft bildet die neue, modulare und skalierbare „electric-only“ Architektur VAN.EA, die ab 2026 eingeführt wird. Basierend auf VAN.EA wird auch das Camper-Portfolio elektrifiziert und zudem erweitert. Auf Basis von VAN.EA wird Mercedes-Benz zukünftig sowohl mittelgroße als auch große vollelektrische Reisemobile ab Werk anbieten. Zusammen mit seinen internationalen Reisemobil-Partnern plant die Marke mit Stern dabei, den neuen Industriestandard für Elektro-Reisemobile zu entwickeln.

Die Mercedes-Benz Österreich GmbH

Die Mercedes-Benz Österreich GmbH ist eine 100-Prozent-Tochter der Mercedes-Benz AG. Der Sitz des Unternehmens ist in Eugendorf. Mercedes-Benz Österreich ist Generalimporteur der eingetragenen Marken Mercedes-Benz, Mercedes-AMG und Mercedes-Maybach. Das Unternehmen koordiniert mit rund 240 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Vertriebs-, Marketing-, Service- und Presseaktivitäten in Österreich. Der Vertrieb erfolgt über das autorisierte Handelspartnernetz und die von den Agenten betriebenen Betriebsstandorte. Die Servicearbeiten werden von den autorisierten Werkstätten durchgeführt. Im Jahr 2023 wurden in Österreich 10.564 Mercedes-Benz PKW (inkl. V-Klasse) und 5.931 Transporter (exkl. V-Klasse) zugelassen.

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