Capris Sonne – in der so schönen Retro-Lackierung „Vivid Yellow“.

Ford bringt den Capri  zurück. Die Neuauflage ist anders als das Original aus den späten 1960er-Jahren kein „europäisiertes Muscle Car“ mehr, sondern ein elektrisch angetriebenes Crossover mit Coupé-Dach.

Der Ford Capri ist das Coupé des Ford Explorer und galt einst als erschwingliches Sport-Coupé. Ein komplett anderes Fahrzeugkonzept, rein elektrisch betrieben und eine sehr ordentliche Reichweite.

Bei der Namensgebung hat Ford wie schon beim Explorer auf die eigene Historie zurückgegriffen. Während der Explorer vor allem in den USA ein populäres Modell als Vorbild hat, ist es beim Capri durch und durch europäisch. Das seit 1969 in Köln und England gebaute Sportcoupé nahm zwar Anleihen an den US-Pony Cars, wurde aber in und für Europa entwickelt.

Opel Manta und VW Scirocco – wenig Invest für viel Motorleistung vor allem bei jungen Fahrenden – das fand Anklang. Gebaut wird der Elektrowagen in Köln.

Auch wenn sich der Capri die bei VW zugekaufte Elektro-Plattform (MEB) mit dem SUV Explorer teilt, tritt er optisch als echter Ford auf. Nicht nur beim Coupé haften Dachverlauf, sondern auch an der Front, die eher sportlich als bullig gestaltet ist. Der flache Kühlergrill soll genau wie die kräftig modellierte Schulterlinie und das rund auslaufende hintere Seitenfenster an das namensgebende Vorbild erinnern.

Die komplette Karosserie des Capri ist eigenständig bei Ford entwickelt worden. Ebenfalls die Dämpfer der Hinterachse haben mit den Plattformbrüdern aus Wolfsburg nichts mehr gemeinsam.

Capri, das war von 1969 bis 1986 die europäische Interpretation des Mustangs: ein zweitüriges Sportcoupé mit vier Sitzen, in den letzten beiden Generationen mit praktischer Heckklappe.

Es ist kein Geheimnis, dass Ford und Volkswagen in den letzten Jahren kooperieren. Ford gibt hier Nachhilfe bei den in aller Welt nachgefragten Nutzfahrzeugen – der neue VW-Transporter ist ein enger Verwandter des Transits, ähnliches gilt bei Amarok und Ranger. Im Umkehrschluss darf sich Ford am modularen Volkswagen E-Antriebsbaukasten bedienen. Aber mal ganz ehrlich: wer will Volkes Wägen, wenn er einen Capri haben kann?

Der Capri ist nach dem Explorer der zweite Spross dieser Liaison und auch der weitaus hübschere VW ID.5.

Zwischen 1968 und 1986 lief der Capri in England und Deutschland vom Band. Seit Ende 2024 rollt die dritte Generation mit rein elektrischem Antrieb und ganz anderem Format aus der Werkshalle in Köln-Niehl.

Damit ist Reichweitensicherheit, auch weil mit 145 bis 185 kW geladen werden kann, ein genauso positiv besetztes Thema wie die Insassensicherheit. Im Euro NCAP Crashtest wurde der mit zahlreichen Assistenzsystemen ausstaffierte Capri mit der Bestwertung von fünf Sternen ausgezeichnet. Bereits der Basis-Capri geht mit Lenkradheizung, Massage-Fahrersitz und dem raffinierten 14,6-Zoll-Hochkant-Touchscreen, hinter dem sich ein 17 Liter großes Staufach versteckt, an den Start. In unserem Capri Premium kommen das B&O Soundsystem mit Soundbar, die Matrix-LED-Scheinwerfer, die elektrische Heckklappe und die attraktiven 20-Zoll-Räder hinzu. I like it so much!

An der Front findet man den angedeuteten „Hundeknochen“-Grill der ersten Generation, gepaart mit den Doppel­scheinwerfern des Mk3, die beste Reminiszenz stellen jedoch die C-förmigen Seitenscheiben in der abfallenden Dachlinie dar.

Innenraum, Infotainment und Ausstattung

Statt in einem Polestar werden im dritten Capri nach vier Jahrzehnten Pause immer mehr sentimentale Gefühle und Erinnerungen erweckt – an einen der geilsten Sportwagen der 1970er und 1980er. Nein, die kennt keiner mehr von den ganzen Youtuber Content Creatoren.

Das Gelb ist ein 1960er-Jahre-Gelb. Die Front ein dunkel und flach gehaltener Hundeknochen-Grill und somit ein für Ford typisches 1970er-Detail. Die puristische Reduziertheit von heute ist die Spartanität von gestern.

Mit 4,63 Metern Länge ist der Capri bei gleichem Radstand rund 15 Zentimeter länger als der Ford Explorer, was vor allem auf das gestrecktere Heck zurückzuführen ist. Darüber befindet sich das Gepäckabteil mit 570 Litern Fassungsvermögen (1510 Liter mit umgeklappter Sitzbank).

Die sportlichen Gene, die der Name mit sich bringt, treten beim neuen Capri nur bedingt in den Vordergrund – das SUV ist über alle Fahrmodi hinweg komfortabel statt sportlich hart ausgelegt. Das Stahlfahrwerk macht seine Sache gut, es kann mit den 2,1 Tonnen Leergewicht des Elektrofahrzeugs umgehen und bügelt die meisten Unebenheiten gekonnt weg.

Die große Heckklappe öffnet sich im Capri optional und im Capri Premium serienmäßig elektrisch und sensorgesteuert. Die große Klappe gibt eine über einen Meter breite und 65 Zentimeter hohe Laderaumöffnung frei. Darunter öffnet sich auf der zwischen den Radkästen 95 x 95 Zentimeter breiten und tiefen Ladefläche ein Gepäckabteil von 567 bis 572 Liter Volumen auf.

Nach dem Umlegen der im Verhältnis 1/3 zu 2/3 geteilten Rückbanklehne wächst die Ladefläche auf fast 1,77 Meter Länge und die Kofferraumkapazität auf 1.505 bis 1.510 Liter. Auch im Kofferraum endet der neue Ford Capri also mit viel Platz. Und ordentlich zuladen und Anhänger ziehen darf er auch.

Dynamische Fahrweisen 

Die Lenkung ist sehr leichtgängig, jedoch niemals unpräzise, bei sportlicherer Gangart vermisst man aber das nötige Rückstellmoment. Der Wendekreis ist phänomenal klein – das habe ich bei 560 getesteten Fahrzeugen bis dato nie gehabt!

Mit 250 kW Systemleistung und je einem Motor pro Achse, hat der Capri in jeder Lebenslage ausreichend Kraft. Zudem bietet das Allrad-Modell auf der ersten Ausfahrt genug Traktion und vermittelt daher auch in Kurven viel Sicherheit. Die Souveränität kommt aber nicht von irgendwo her, die beiden Elektromotoren stammen aus dem VW-Elektro-Baukasten und sind damit alte Bekannte.

Soll es sportlicher werden, bietet sich die 210 kW-Version mit Heckantrieb an. Sie ist auf dem Papier zwar langsamer, allerdings verleiht der Verzicht auf den Motor an der Vorderachse dem Capri etwas mehr Agilität. In schnellen Kurven dreht sich der Wagen mehr in die Kurve, was den Spaßfaktor erhöht.

Bei Antrieb und Akku startet das Crossover-Coupé mit dem 52 kWh großen Standard-Range-Akku, welcher nur mit einem Heckantrieb kombiniert werden kann. Dann stehen 125 kW (170 PS) zur Verfügung, die Reichweite beträgt bis zu 393 Kilometer nach dem genormten WLTP-Zyklus.

Ford Capri: Reichweite und Ladedauer

Der potenteste Motor ist nicht der mit dem höchsten Verbrauch – der schwächste Motor nicht der mit dem niedrigsten. Klingt seltsam, ist aber so. Beide liefern sich im WLTP-Verbrauch einen Patt mit 15,3 bis 16,5 kWh/100 km und 15,5 bis 16,7 kWh/100 km. Da im schwächeren Capri Elektro (125 kW / 170 PS) aber immer eine 52 kWh kleine Batterie verbaut ist und im Topmodell eine 79 kWh große, kommt man im 250 kW / 340 PS starken Topmodell mit 552 bis 592 km Reichweite deutlich weiter als im Einstiegsmodell mit 370 bis 393 km. 

Mit einem Stromverbrauch von 13,8 bis 14,8 kWh sind zwischen 590 und 627 km im Capri Extended Range RWD möglich. Das lange Wort „Reichweitensicherheit“ darf hier auch in den Mund genommen werden, weil das Aufladen wahrlich nicht lange dauert.

Wird die Batterie geladen, geht es im sparsamsten Ford Capri zwar am langsamsten, aber im Vergleich zu den beiden anderen Motorvarianten dauert das Aufladen mit Gleichstrom nur wenige Minuten länger. Der Standard Range RWD mit der kleinen Batterie bringt seinen vor dem Ladehalt vorkonditionierten Stromspeicher mit 145 kW Ladeleistung in 25 Minuten von 10 auf 80 % Ladung. Der Extended Range mit Allradantrieb benötigt mit 185 kW ungefähr 26 Minuten. Der sparsamste Stromer mit der 77-kWh-Batterie mit 135 kW in etwa 28 Minuten.

Energieeffizienz

Beim AC-Laden dauert es länger, weil der Ford Capri maximal mit 11 und nicht mit 22 kW lädt. 3 Stunden und 35 Minuten im Einstiegsmodell, 5 Stunden und 16 Minuten im Langstreckenmodell und 5 Stunden und 24 Minuten im Topmodell. Was sich bei allen drei Capri Modellen immer empfiehlt: Den Aufpreis von 1.050 Euro für die Wärmepumpe zu zahlen, die für mehr Energieeffizienz bei der Klimatisierung und damit niedrigere Verbrauchswerte sorgt.

Darüber fungiert ein 77 kWh großer Akku gekoppelt an einen 210 kW (286 PS) starken Heckmotor. Die Reichweite steigt hier auf bis zu 627 Kilometer. Hat der Capri auch Allradantrieb, steigt die Leistung durch beide Motoren auf 250 kW (340 PS): die Reichweite sinkt hier gering auf 592 Kilometer, natürlich immer nach „Norm“.

Laden können alle Varianten an Wallbox und Normal-AC-Säule mit bis zu 11 kW, am Schnelllader (DC) kommt das Basis-Heckantriebs-Modell auf 145 kW, die stärkere Version erlaubt nur 135 kW. Das Allradmodell lädt mit 185 kW.

Verwaltet wird die elektrische Power über eine 1-Gang-Automatik. Die Kräfte gelangen im Standard Range RWD und Extended Range RWD über die Hinterräder auf die Straße, was dem Capri mehr Leichtigkeit im Handling verleiht.

Kraft und Vernunft

Die 210 kW / 286 PS Leistung und die Drehmomentwelle von 585 Nm sind Fahrspaß und Vernunft zugleich. Der Stromverbrauch ist im Capri Extended Range RWD der niedrigste, die Reichweite die höchste. Die Beschleunigung ist massiv, die finale Geschwindigkeit höher. In 6,7 Sekunden geht es aus dem Stand auf Tempo 100 und im Finale mit 180 km/h über die Autobahn – reicht. Vollkommen. In Österreich sowieso.

Fährt der Capri im Ecomodus mit maximal 130 km/h noch schaumgebremst, hängt er sich im Top Model beim Sportmodus mit 5,3 Sekunden voll rein.

Kleinster Mini-Wendekreis im RWD ever, ever, ever

Bei solchen Kräften sind Mechanik, Fahrwerk und Regelelektronik gefordert. Der Allradantrieb setzt es in Traktion um. In den Heckantrieb-Capris kann das Heck stets leichtmittanzen, was das Handling wie der Mini-Wendekreis von 9,7 statt 10,8 Metern verbessert. Die Lenkung könnte etwas mehr Rückmeldung von der Fahrbahn liefern. Alle Motorvarianten liegen ohne Adaptiv-Fahrwerk mit dem tiefen Fahrzeugschwerpunkt straff auf der Straße. Etwas fixer als das Schwestermodell Explorer. Stets komfortabel abrollend auf den 19 Zoll (Capri), 20 Zoll (Capri Premium) und optional 21 Zoll großen Breitreifen im 235er- und 255er-Format. Ja. Richtig gelesen!

Sitz-Tipp: Panorama-Glasdach

Im Capri mit serienmäßigen Stahldach sitzt man vorne mit 1.008 Millimeter Kopffreiheit. Bereits hier ein ordentlicher Wert, der sich mit dem Panorama-Glasdach aber auf stattliche 1.039 mm verbessert. 

Und auch dahinter, auf der Sitzbank, auf deren Außenplätzen die Kindersitze per ISOFIX-Anker zu befestigen sind, gewinnt man mit dem Glasdach mit 994 statt 972 Millimeter 2,2 Zentimeter Kopfraum. Damit zählt das Glasdach, wenn hinten oft Große sitzen, zu den Bestell-Tipps im Ford Capri. Auch, weil es viel freundliches Licht spendet. 

Touchscreen mit Staufach

Hinter dem Touchscreen, der sich raffiniert verschieben lässt, verbirgt sich ein 17 Liter großes Staufach, das Platz für drei 1,5-Liter-Trinkflaschen bietet und auch als Versteck taugt.

Multimedial digital

Schiebt man die Emotion wieder beiseite und geht es faktisch an, gleicht das Cockpit dem des Ford Explorer: in den Händen das unten und oben abgeflachte Lenkrad, vor der Nase das digitale 5,3-Zoll-Cockpitdisplay, in der Mitte der tief bauende 14,6-Zoll-Touchscreen im Hochkant. Mit dem „Fahrer-Assistenz-Paket“ ist das immer gern gesehene, auf die Frontscheibe projizierende Head-up-Display inklusive.

Die Verarbeitungs- und Materialqualität der Innenausstattung geht -manchmal auch schmeichelhaft – in Ordnung. Die Bedienung konzentriert sich auf den Touchscreen, weitgehend natürlich schalterbefreit.

Gut vernetzter Typ

Sitzt man wie bei uns im Capri Premium, beschallt ein herausragendes B&O Soundsystem den Innenraum mit einer Soundbar und zehn statt sieben Lautsprechern. Zwei USB-C-Anschlüsse finden sich jeweils vorne und hinten in der Mittelkonsole und ein 12-Volt-Anschluss im Kofferraum. Ein integriertes Modem fürs Streamen und Surfen ist ebenso Standard wie die Schnittstelle von Android Auto und Apple CarPlay. Das Smartphone kann im Capri Premium ohne Frage auf der induktiven Ladestation geladen werden. 

Sicherheit und Schutz

In der Premium-Variante kommen wir in den Genuss des Matrix-LED-Lichts. Bereits die Basis-Version hat neben Sicherheitssystemen wie der Reifendruckkontrolle und dem vorderen Mittel-Airbag zahlreiche Assistenzsysteme inklusive. Angefangen beim Querverkehrswarner mit aktivem Bremseingriff, dem adaptiven Tempomat mit Stop & Go-Funktion und dem Ausweich- und Fahrspur-Assistenten bis hin zur Verkehrsschilderkennung, dem Müdigkeitswarner und Pre-Collision-Assist mit Auffahrwarnsystem und Notbremsfunktion.

Die Falschfahrer-Warnfunktion bietet ebenso viel Sicherheit in Fahrt wie beim Einparken die Rückfahrkamera und Park Sensorik vorne und hinten. Mit dem „Fahrerassistenz-Paket“ wird Capri-Fahren noch sicherer mit der dann mitgelieferten 360-Grad-Kamera, dem mit 12 Ultraschallsensoren arbeitenden aktiven Parkassistenten, der Fahrspurzentrier- und Spurwechselfunktion und dem vollwertigen Head-up-Display. 

5 Sterne im Euro NCAP

Der Capri erreicht mit einer 72- und 80-Prozent-Wertung im Assistenz- und Fußgängerschutz und 89 und 86 Prozent im Erwachsenen- und Kinderschutz die maximale Endwertung von für Sternen.

Qualität?

Ford gewährt nur zwei Jahre Garantie bis zu einer Laufleistung von 160.000 km. Heute geben Hyundai und Kia mit jeweils mindestens fünf und sieben Jahre Garantie sowie Hersteller wie MG mit sieben Jahre, und Toyota mit bis zu 15 Jahre Garantie bei regelmäßiger Wartung den Ton vor.

Fazit

Trotz der bekannten MEB-Plattform von Volkswagen gelingt es Ford, dem Capri einen eizigartigen und souveränen Charakter zu verschaffen. Leider sind die Garantiebedingungen etwas zu gering. Auch genügen die Informationen bezüglich gewisser Werksschließungen Anlass zur generellen Sorge um die deutschen Fords. Wir haben es selbst in der Hand, inwieweit wir das zulassen wollen.

Für mich persönlich eines des vielseitigsten und schönsten Crossover ever. Danke Ford!

Alle aktuellen Infos sowie Preise zum Capri findest du hier

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