Zu Besuch bei Braumeister Stanislav Hahn in Znaim

Dieser Beitrag ist Teil der kulinarischen Entdeckungsreise in der Region Znojmo – unterstützt von VisitCzechia, der Region Znojmo sowie OLD COCK

Zwischen mittelalterlichen Kellergassen, barocker Burgromantik und weiten Weingärten schlägt in Znaim ein kräftiges Hopfenherz: Die Old Cock Brauerei.

Eine Holzplatte mit einer bunten Auswahl an Wassermelonenscheiben, Schinken, getrockneten Früchten und Käse. Im Hintergrund sind Brötchen und dezente Bieruntersetzer sichtbar.

Hier braut Stanislav Hahn, ein Mann, der Bier nicht nur produziert, sondern echt „lebt“. Mit Leidenschaft, Neugier und einem guten Schuss Humor. Die Brauerei selbst steckt voller Geschichten. Heute scheint er uns zudem mästen zu wollen.

Das gesamte Gebäude steht unter Denkmalschutz, was vier Jahre Genehmigungsverfahren und insgesamt zehn Jahre Bauzeit bedeutete. Und doch hat sich die Mühe gelohnt. Auf der Baustelle fand man sogar eine leere Bierflasche aus dem 18. Jahrhundert. Für Hahn ein besonderes Zeichen, dass der Ort schon immer mit Hopfengeist erfüllt war.

Ein Werbeschild der Old Cock Brauerei mit einem Hahn und einem Bierglas in der Hand, das in einem gemütlichen Ambiente präsentiert wird.

Vom eigenwilligen Hobby zum Beruf

Was als Experiment begann, wurde schnell zur Berufung: Heute blickt Hahn auf acht Jahre Erfahrung als professioneller Braumeister zurück. Unterstützt von seinem Sohn – eigentlich Chemiker – wuchs aus der Familienleidenschaft eine kleine, feine Brauerei. Im denkmalgeschützten Gebäude, einst Kindergarten, heute pulsierender Treffpunkt für Bierfreunde, ist Tradition ebenso spürbar wie Innovation.

Vielfalt im Glas

Seine Biere sind so vielfältig wie die Jahreszeiten.

Ob Pilsner mit 10 % Stammwürze und 4,8 % Alkohol, ein unfiltriertes „znijemsle pivo“, ein grünes Osterbier oder ein kräftiges Sauerbier. Stanislav liebt es, zu experimentieren. „Bier depends on situation“, sagt er mit einem Lächeln. Malz über Feuer getrocknet für rauchige Noten, Sommerbiere mit Fruchtaromen oder dunkle Spezialitäten. Jedes Bier erzählt seine eigene Geschichte. Jährlich kommen neue Hopfensorten hinzu, angepasst an Klima und Erntebedingungen. Sein kräftiges Sauerbier, schmeckt – wie soll es anders sein bei Stanislav? Eben: „gewohnt“ anders. Aber es ist knallrot und wunderschön.

Seine dunkle Spezialität „Choud“ wurde kurzerhand das nach einem Silbermedaillen-Gewinn patentbedingt umbenannt. Einfach einen Buchstaben gestrichen, fertig.

Ein Braumeister hält stolz ein Zertifikat über den zweiten Platz bei der Jarní cena für tschechische Bierbrauer in der Old Cock Brauerei.

Malz wird über Feuer getrocknet, manchmal rauchig, manchmal fruchtig, aber nie süß.

Nahaufnahme von Metallzapfhähnen mit roten Griffen in einer Brauerei, reflektierendem Licht und einer unscharfen Hintergrundszene.

Bier oder Wein?

In einer Region, die sich über ihre Weine definiert, schwimmt Stanislav bewusst gegen den Strom.

Dazu serviert er am liebsten Käse, der für ihn das perfekte Pairing ist. Bei Festivals schenkt er hunderte Liter aus – und empfiehlt dazu Klassiker wie Gulasch oder Sommergurken mit Dill beim Juni-Bierfestival.

Eine Reihe von Bierflaschen mit bunten Etiketten und verschiedenen Informationen zu den Biersorten, arrangiert auf einem Regal in einer Brauerei.

Handwerk mit Mut und Credo

Gebraut wird in Edelstahlkesseln mit 20 Hektolitern Fassungsvermögen. Frische und Regionalität sind oberstes Gebot.

Für Kinder gibt es Limonade und Schokolade, die Stanislav augenzwinkernd in einer „Schatztruhe“ bereithält.

Für Erwachsene dagegen warten kreative Extras: limitierte Weihnachtseditionen, Hopfenpralinen, ein hauseigenes Schnaps-Destillat und sogar ein Bier-Adventkalender.

Zwischen Kult und Kultstatus

Mit seinem Markennamen „Old Cock“ sorgt Stanislav für Schmunzeln. Und: nona für klare Wiedererkennung. Er ist gleichzeitig relevanter Teil einer cleveren Marketingstrategie.

Die Etiketten sind beliebte Sammelstücke, das Branding unverwechselbar. Während die Brauerei in Brünn Kultstatus genießt, gibt es in Znaim sogar einen kleinen „Antifanclub“. Doch das stört den Braumeister wenig.

Wahrscheinlich genau diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und Augenzwinkern, die sein Markenzeichen geworden ist.

Close-up of black kegs with the logo of 'Old Cock' brewery prominently displayed in red lettering.

Bier als Erlebnis

Heute ist die Brauerei mehr als nur Produktionsstätte: Sie ist Restaurant, Pension und Treffpunkt für Gäste aus aller Welt. Im Old Cock Castle, den direkt angeschlossenen Hotel, schläft man wie ein König.

Umgeben von Geschichte, Charme und einem Hauch Märchen. Morgens weckt uns der Duft von frisch gebrühtem Kaffee und ein liebevoll gedeckter Frühstückstisch. Wer hier nächtigt, nimmt nicht nur Erholung mit, sondern auch ein Stück Schlossmagie im Herzen. Danke, Stanislav!

Von April bis Oktober strömen Besucher:innen – Wochenendgäste aus Wien genauso wie Bierliebhaber:innen aus der Region auf kulinarische Spurensuche. Und wer Glück hat, begegnet Stanislav Hahnpersönlich – mit einem Glas in der Hand, einer Geschichte auf den Lippen und einem Strahlen im Gesicht. Selbst das lokale Eishockeyteam wird von Old Cock unterstützt und trinkt auf Instagram lieber sein Bier als jeden Durstlöscher.

Ein Braumeister hält ein Glas Bier in der Hand, lächelt und steht in einem kreativen Umfeld.

Stanislav Hahn spielt stets bewusst mit der Doppeldeutigkeit. Er selbst sagt, er müsse aufpassen, „nicht wie eine Pornoseite zu wirken“, wenn man „Old Cock“ googelt. Und genau da liegt sein augenzwinkernder Humor: provokant genug, dass man hinschaut, aber nie vulgär.

Stanislav liebt und lebt sein Tun. Mit Herz und Kopf. Er ist eher in der Brauerei anzutreffen als bei seiner Frau. Und während Erwachsene an Hopfenpralinen oder einem kräftigen Pils nippen, zaubert er den Kindern ein Lächeln ins Gesicht: In einer geheimen Schatztruhe warten Schokoladen, die Stanislav immer mit einem kleinen Funkeln im Blick hervorholt.

Ein Mann, ein Betrieb, der ebenso ungewöhnlich wie erfolgreich ist.

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