Zum Thema Elektroauto kursieren sehr viele Mythen. Eine dieser Erzählungen lautet, dass Elektroautos viel zu teuer seien und preislich mit Verbrennern nicht mithalten können. Das war mal richtig, ist aber längst überholt.

Wir haben bei uns im Unternehmen bereits im Jahr 2016 auf Elektromobilität umgestellt. Nach einer Übergangsphase mit einer Vollhybridtechnologie aus Japan haben wir den Schritt gewagt und durften feststellen, dass es kinderleicht ist. Schon 2016 waren die vielen Märchen von zu geringen Reichweiten, ewig langen Ladezeiten und mangelnder Alltagstauglichkeit falsch.

Was die Kosten angeht, so hat sich Elektromobilität damals auch schon gerechnet. Die Rechnung ging nur deshalb auf, weil gewisse Rahmenbedingungen gegeben waren, die die Kund:innen der früheren Elektromobilität mit ein paar Goodies belohnten. Mittlerweile ist das nicht mehr nötig.

2016 – Tesla fast allein auf weiter Flur

Unser erstes Elektroauto war ein Tesla Model S 90D. Die 2016er Baureihe verfügte noch über die fahrzeuggebundene SuperCharger-Flatrate ein Autoleben lang. Alternativen gab es damals zwar auch, aber nur sehr wenige und diese waren kaum langstreckentauglich. Daher fiel unsere Wahl auf den US-Amerikanischen Elektroautopionier, der schon damals ein beachtliches Ladenetz in Europa zu bieten hatte.

Beruflich waren wir damals 40.000 bis 50.000 km im Jahr unterwegs. Auch solche Jahreslaufleistungen waren mit dem Model S schon 2016 kein Problem. Hohe Laufleistungen und bei den Tesla SuperChargern kostenfrei laden zu können, kombiniert mit der NoVA-Befreiung, hat den sechsstelligen Kaufpreis gut kompensiert.

Ein weiterer begünstigender Aspekt war die geringe Wartungsintensität. Tesla empfiehlt zwar eine Inspektion nach 20.000 km, setzt sie aber für den Erhalt der Gewährleistung nicht voraus. Batterie und Antriebsstrang hatten eine von der Laufleistung unabhängige Garantiezeit von 8 Jahren. Wir haben die Inspektion dennoch durchführen lassen. Die Kosten lagen bei einem Drittel verglichen mit den Kosten für Luxusfahrzeuge anderer Hersteller.

8 Jahre später – Es ist viel passiert

Heute ist nicht mehr das Jahr 2016, sondern 2024. Das Angebot an Elektrofahrzeugen ist größer und es gibt preiswertere Modelle. Nicht nur von Tesla, sondern von einer Vielzahl anderer Hersteller. Damit sind die Anschaffungskosten massiv gesunken. Auch die Ladeinfrastruktur hat sich deutlich verbessert. Zwar ist das SuperCharger Netz von Tesla noch immer konkurrenzlos, aber es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Lademöglichkeiten, sodass auch mit jedem anderen Elektroauto weite Strecken quer durch Europa längst kein Thema mehr sind.

Dennoch halten sich noch immer hartnäckig diverse Vorurteile

„Die Anschaffung eines Elektroautos kostet mehr“

Pauschal falsch. Man muss hier immer gleiches mit gleichem vergleichen. Einige machen den Fehler, dass sie ein Tesla Model 3 mit einem VW Golf vergleichen. Doch diese Gegenüberstellung ist falsch. Ein Model 3 fällt von Größe und Standard in die Kategorie einer Mercedes Benz C-Klasse oder eines Audi A4. Und da ist ein Model 3 keineswegs teurer und obendrein das innovativere Produkt. Bei kleinen Fahrzeugen ist der Punkt teilweise noch richtig. Aber auch hier ist in den letzten Jahren viel passiert und es drängen immer mehr kleinere Elektrofahrzeuge auf den Markt. Diese kommen aber leider aus China und nicht aus Europa.

„Strom kostet mehr als Benzin oder Diesel“

Falsch. Auch hier werden falsche Dinge miteinander verglichen und falsch gerechnet. Nehmen wir einen relativ sparsamen Diesel. Der kommt mit 6 Litern auf 100 km aus. Das ergibt einen Energiepreis von 9,00 €. Ein vergleichbares Elektroauto braucht 17 kWh auf 100km. Bei einem Preis von 0,40 € pro kWh ergibt das 6,90 €. Das ist eine Ersparnis von etwa 25 %.

Würde das Auto nur an Schnellladestationen (0,50 ct/kWh) geladen werden, ist der Energiepreis mit dem Diesel vergleichbar. Kann das Fahrzeug über eine PV-Anlage direkt geladen werden, betragen die Kosten etwa 1,40 €, denn die Stromgestehungskosten liegen bei etwa 0,08 ct pro kWh.

„Elektroautos kosten mehr bei der Wartung“

Falsch. Das Gegenteil trifft zu. Die Umfänge, die ein Elektroauto hat, haben Verbrenner auch. Das sind Dinge wie Stoßdämpfer, Reifen und Wischblätter. Aber viele Wartungsumfänge wie Ölwechsel, Lichtmaschine, Kühlwasser, Zahnriemen, rostender Auspuff oder einen Katalysator wird man bei Elektroauto vergeblich suchen.

Nun sind einige aber besorgt, dass die Batterie kaputt gegen könnte und dadurch ein wirtschaftlicher Totalschaden entstehen könnte. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch weitaus kleiner als ein Motorschaden bei einem Verbrenner, der auch ein wirtschaftlicher Totalschaden wäre. Die Tatsache, dass eine Batterie sehr langlebig ist, sieht man auch an den Garantiebedingungen der Hersteller, die meistens 8 Jahre oder mehr Garantie auf die Batterie geben. Auch die Degeneration der Batterie hält sich in Grenzen. Es gibt dazu viele Erfahrungen von Kund:innen (wir gehören auch dazu), die berichten, dass die Batterie nach über 100.000 km nur eine Degeneration von 3-4 % aufwies. Das merkt man im Alltag nicht.

„Elektroautos haben einen schlechten Wiederverkaufswert“

Falsch. Die Preisentwicklung von gebrauchten Elektroautos entwickelt sich laut Dienstleistern wie mobile.de etwa ähnlich wie der von Verbrennern. In Sonderfällen, wie zum Beispiel bei einem Tesla Model S mit SuperCharger-Flatrate, kann der Gebrauchtpreis sogar deutlich höher sein. Und das alles, obwohl gerade in Österreich und Deutschland sehr viele sehr bemüht darum sind, möglichst viele Zweifel zum Elektroauto zu verbreiten. Sollte diese Antriebstechnologie in der Breite eines Tages ein größeres Vertrauen erzielen – wie das zum Beispiel in Norwegen oder der Schweiz der Fall ist – dürfte sich der Wiederverkaufswert noch besser entwickeln. Verbrenner dagegen werden in absehbarer Zeit sicher schwerer verkäuflich, weil sich wesentliche Rahmenbedingungen ändern.

Die Zukunft begünstigt das Elektroauto noch mehr

Auch wenn sich die Autolobby und Teile der Politik gegen die Veränderung wehren, ist eine Anpassung der Rahmenbedingungen unvermeidlich, denn der Mobilitätssektor ist einer der größten Emittenten von Treibhausgasen und die Klimakrise wartet nicht auf uns.

Alle, die heute noch einen Verbrenner besitzen, müssen sich perspektivisch überlegen, wie sie damit umgehen. Der Kraftstoff wird in den nächsten Jahren teurer – und das muss er auch. Die Folgen des Verbrennens fossiler Energieträger sind externalisiert. Die Kosten zahlt die ganze Gesellschaft, wie zum Beispiel in Form der Aufbaukosten nach den massiven Unwettern in Österreich.

Bisher gib es nur eine kleine CO2-Besteuerung. Diese ist genau genommen eine Deckelung der tatsächlichen Kosten aus dem Emissions-Zertifikatehandel. Auch wenn die Emissionskosten pro Tonne CO2 mit 64 € momentan relativ niedrig sind, liegen sie höher als die derzeitige CO2-Besteuerung von 45 € pro Tonne. 

Ab 2027 werden die Emissionszertifikate im Rahmen des EU-ETS 2 (ETS = Emission Trading System) auf weitere Sektoren wie Transport und Gebäude erweitert und am freien Markt gehandelt. Von da sind Preissteigerungen auf einen dreistelligen Bereich je Tonne CO2 zu erwarten, was die Kraftstoffe für Verbrenner und damit die Kosten noch weiter steigern wird.

Und falls jetzt jemand auf die alternativen Kraftstoffe wie E-Fuels (synthetisch) oder HVO100 (pflanzlich) setzt. Bitte glauben Sie nicht an pinke Einhörner. Solche leeren Versprechen nützen den Herstellern und Verkäufern fossiler Kraftstoffe, denn diese Alternativen wird es für die Straße kaum bis gar nicht geben. Und wenn, dann werden sie sehr teuer sein und die Klimabilanz ist nach wie vor desaströs. Als Alternative bleibt betroffenen Kund:innen dann nur die weitere Nutzung der immer teurer werdenden und unseren Lebensraum zerstörenden fossilen Kraftstoffe.

Fazit

Das Elektroauto rechnet sich schon heute und ist dem Verbrenner nicht nur bei der Klimabilanz, sondern auch bei der Kostenbilanz bereist überlegen. Mit der Zukunft verschiebt sich die Kostenstruktur noch weiter hin zum Elektroauto. Dazu ist die globale Marktentwicklung eindeutig und am Aussterben des Verbrenners führt kein Weg mehr vorbei.

Bedauerlich ist in dem Zusammenhang leider, dass das Geschäft hauptsächlich die chinesische und nicht die europäische Automobilindustrie macht. Denn bei uns sind diejenigen, die die Fehler der Vergangenheit bewahren wollen, leider noch immer sehr laut und mächtig. Nokia und Kodak lassen grüßen.

Dr. Mario Buchinger, geb. Kuduz, 1975 ist Transformations-Experte, Physiker, Musiker und Autor. Der Lean- und Kaizen-Spezialist war zehn Jahre als Angestellter und Führungskraft bei Daimler und Bosch tätig, bevor er 2014 das auf Strategie-, Prozess- und Klima-Transformation spezialisierte Unternehmen Buchinger|Kuduz gründete. Zu den Kunden zählen neben Industrieunternehmen u.a. auch Banken und öffentliche Behörden.

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