Hyundai Santa Fe 2024 Plug In Hybrid im eTouring Praxistest.
Mein erster Test und meine erste Fahrt mit einem Plug-In-Hybridfahrzeug überhaupt stehen an. Daher durfte ich die fünfte Generation des Hyundai Santa Fe ausprobieren. Vorgestellt wurde dieser Wagen in Europa im Sommer 2024.
Mein Testfahrzeug kommt in der höchsten Ausstattungsstufe „Calligraphy“ als 1,6-GDI PHEV.

Allradgetrieben mit 6-Gang Automatik sowie mit 185kW (252 PS) Gesamtsystemleistung. 367 Newtonmeter Drehmoment, aufgeteilt auf beide Achsen. Beschleunigung von 0 auf 100km/h in etwas etwa 9,3Sekunden, bei einem Eigengewicht von 2090kg.
Davon liefert der Elektromotor maximal 72kW (98PS), Nenndauerleistung 24kW (33PS) und der Ottomotor 117,6 kW (160 PS).
Eine prägnante Ansage an den Mitbewerb.
Die Akkukapazität für den zusätzlichen E-Motor beläuft sich auf 13,8kWh, womit theoretisch 54km Reichweite elektrisch kombiniert erreicht werden könnten. Der berechnete kombinierte Kraftstoffverbrauch auf 100km liegt bei 1,68l Benzin. Stromverbrauch wären hier umgerechnet 38kWh, bei einer CO2 Emission von 38g/100km
Laden lässt sich der kleine Akku nur mit einem Typ 2 Stecker. Derzeit noch ausreichend, in Zukunft schläft aber die Konkurrenz nicht – siehe Jaguar Landrover.
Exterieur:

Die Preise für den 4WD PHEV beginnen bei 54.000.- und peaken bei knapp 73.000.- für unsere höchste Ausstattungsvariante.
Hyundai hat beim aktuellen Modell einen radikalen Designbruch vollzogen. Die wuchtige gerade Front mit nur kurzem Überhang erinnert an die Konkurrenten Land Rover Defender, Toyota Landcruiser oder Jeep Grand Cherokee. Seine lange schwarze Dachreling erbringt hier ein Übriges.
In einem geringen Maße mag der Santa Fe sich auch bis zu einem gewissen Grad messen. Bietet er schlussendlich auch gewisse Geländefahrtfähigkeiten. Stilistisch jedoch hebt er sich bereits sehr stark vom internenn Portfolio mit seinen Ecken und Kanten ab.

Über wuchtige ausgestellte Radkästen geht es mit einer lang auslaufenden Dach- und leicht ansteigender Seitenlinie plus dem schwarz getönten Fensterband zum Heck. Jenes zitiert nun den sogenannten „Van-Style“.
Markant sind H-förmige LED-Scheinwerfer und Heckleuchten. H Form ist beim aktuellen Santa Fe insgesamt überall aufzufinden.
Insgesamt wirkt der Wagen groß und mächtig. Als Fels in der Brandung und schicksalsträchtig robust. Gar, um etwaiger Situation die Stirn bieten zu können. Dennoch: von der kantigen Schnauze weg angenehm in die Länge gezogen.
Das sehr elegante „Magnetic Force“ Anthrazitgrau steht idem Fahrzeug äußerst gut. Überhaupt finden sich in der verfügbaren Farbpalette eher gedeckte Farben. Allzu kräftige Töne wären wohl bei den schieren Dimensionen auch eher unangebracht.
Interieur:
Als ich das erste Mal die Türe öffne, bin ich fast geblendet vom weißen Leder an den Sitzen, dem Lenkrad und der Armaturenverkleidung. Jenes wird kontrastiert von gebürstetem Aluminium (welches sich im Haptik-Test dann aber als täuschend echtes Plastik-Imitat erweist, auch hier ist Sparen ein Begriff), Textil-anmutenden grauen Kunststoff-Applikationen, gegensätzlichem Leder in Dunkelbraun/ Olive. Dazu farblich angepasste Ziernähte und in allen Regenbogenfarben einzustellenden Ambiente- LED-Streifen. Frau, was willst du mehr?

Inwiefern das weiße Leder den Belastungen des Alltags widerstehen zu vermag, sei dahingestellt, aber in solchen Fällen sage ich immer: Sie werden sich schon etwas einfallen haben lassen dabei. Eindruck schinden tut dies allemal.
Der Innenraum wirkt unglaublich groß. Die ca. 30 Zentimeter breite Mittelkonsole erzeugt das Gefühl, am Steuerstand einer Superyacht zu sitzen.

Besonders zu erwähnen wäre das riesige Stauraum-Fach der Mittelkonsole, welches sich sowohl von vorne als auch von hinten in beide Richtungen aufklappen lässt. Geräumige Fächer in den Türen und unter der vorderen Mittelkonsole. Darüber als Brücke die beiden induktiven Handy-Ladeschalen zuzüglich USB-C Ports. Weiter vorne steigt die Konsole direkt zum Armaturenbrett an. Allerhand Bedienelemente zu Klimaautomatik, Sitz- sowie Lenkradheizung plus etwaige Fahrmodi-Schalter und dergleichen.
Das Umfangreiche Ambiente-Beleuchtungsset taucht dann alles noch in das adäquate Licht, je nach Lust Laune und Stimmung der Insassen.
Hinter dem Lenkrad befindet sich der Anzeige-Bildschirm, rechts daneben der länglich-gebogene Touchscreen mit allen Anzeigen zu Infotainment, Navigation (integriert oder via Android Auto/Apple Car Play, das Switchen zwischen On-Board und Connected ist manchmal ein bisschen verwirrend)
Im Fond geht es ebenfalls luxuriös zu, zwei bequeme Lederfauteuils auf denen locker und bequem auch drei Leute mit ausreichend Fußraum sitzen können, dazu derselbe Material-Und Ambiente-LED Mix wie vorne, und fertig ist die Wohlfühlatmosphäre.
Riesig ist auch der flache Kofferraum, bei Bedarf können die auch mit (Ski-)Durchreiche ausgestatteten Rücksitze asymmetrisch geteilt komplett eben bündig umgeklappt werden, und man hat eine riesige Liegefläche.
Platz & Komfort:
Wie schon vorher beschrieben stellt sich im gesamten Wagen ein gewisses „Salon“-Feeling ein, hier gibt es Platz ohne Ende, Beim Einstieg & beim Türöffnen fährt der Fahrersitz automatisch zurück, und das Lenkrad hebt sich, natürlich ist das alles einstellbar, und im Falle der Sitze auch speicherbar, mittels zweier Knöpfe an der Türverkleidungen lassen sich zwei Lieblingssitzeinstellungen abrufen.
Das große, beheizbare und dick und fest in der Hand liegende schneeweiße Lederlenkrad liegt gut in der Hand, auch hier wieder erahnt man ein H-förmiges Muster in der Aufteilung der Bedienknöpfe, links befinden sich die Kontrollknöpfe zur Steuerung von Tempomat und Abstandhalter und Spurassistent, rechts die für Audioanlage, Telefonie und Sprachsteuerung.
Gute finde ich die Wahl von Wippschaltern und Scroll-Walzen als Bedienelement, hinter dem Lenkrad finden sich neben Licht/Blinker- und Scheibenwischer-Lenkstock noch die Schaltwippen für die Rekuperationslevels.
Der Kofferraum ist flach und riesig, vermutlich aus konstruktiven Gründen ist die Ladekante recht hoch, darunter befinden sich weitere versteckte großzügige Stauraumfächer bei Anhaben der Kofferraumabdeckung.

Außerdem findet man nette Details wie (leider relativ kleine) versenkt einklappbare Verzurr-Ösen und, was natürlich sehr praktisch ist, eine 220V-Steckdose am Radkasten.
Und zusätzliche Feature ist neben dem Knopf zum Schließen der Heckklappe an deren Unterkante, ein zweiter Knopf der nicht nur die Klappe, sondern gleich das ganze Auto schließt, womit, wenn ich Getränkekisten entladen, ich nur mehr diesen Knopf drücken muss, aber nicht mehr mühsam in der Hose nach dem Schlüssel fummeln muss.
Basics:
Der rechte Lenkstock hat den Hyundai-typischen Drehschalter mit den Fahrfunktionen R, N und D sowie der Parkstellung als Druckknopf, an gestartet wird mittels Startknopf am Armaturenbrett.
Handbremsung erfolgt vollautomatisch bei Aufruf der Parkstellung, das Außenlicht leuchtet ein paar Sekunden nach, vermutlich lässt sich dies auch einstellen.
Über der Anzeigetafel hinter dem Lenkrad zeigt mir ein Head-Up -Display während der Fahrt Geschwindigkeit, die Assistenzsysteme sowie die Navigationspfeile an, was ich immer angenehm finde bei so einer Flut von Bildschirm anzeigen, rechts daneben auf dem Touchscreen lässt sich alles Anzeigen, was man sich vorstellen kann, man kann die einzelnen Elemente auch verschieben, ganz so wie es passt.
Super finde ich auch hier, dass ich mein Handy nicht per Kabel mit Android Auto verbinden muss, das funktioniert hier alles über bidirektionales Bluetooth, der Sound über das verbaute Bose-Speaker System ist ebenfalls tadellos.
Über den Kamerabutton bekomme ich eine Außenansicht, auch der Innenspiegel lässt sich zum Screen für die Heckkamera umschalten, was bei feuchter Witterung aber nicht unbedingt ideal ist.
Letztere öffnet auch die Möglichkeit den Einparkassistenten zu aktivieren, ich habe es aber nicht probiert, nachgelesen habe ich, dass man nach Aktivierung und gefundener Parklücke aussteigen soll, und per Knopfdruck am Schlüssel das Einparkmanöver starten soll…wer’s braucht!
Die Parkpiepser könnten für meinen Geschmack etwas früher anschlagen, oder vielleicht gar eine Zentimeter-Anzeige liefern, man steht mit diesem langen Gerät dann mal relativ schnell zu nahe einer Wand, und die Heckklappe braucht nicht wenig Platz achtern, um gefahrlos öffnen zu können. Wenn man es weiß, ist das aber auch so möglich, das Gespür für das Heck ist da, und man sieht hinten auch gut raus,
Fahrerlebnis:
Sanft und unaufgeregt setzt sich der Riese bei leichtem Druck auf das Gas-/Strompedal in Bewegung, in langsameren Geschwindigkeitsgefilden komplett unter Strom, leise und elegant.
Ganz durchschaut habe ich noch nicht ab wann sich der Ottomotor dazuschaltet, manchmal ist das schon ab 20km/h, manchmal so ab 50, manchmal erst ab 70 Sachen, das regelt sich die Elektronik offenbar selbst, ganz so wie sie es für am effizientesten errechnet.
Wenn die Verbrennung einsetzt, dann tut sie das nur wenig merklich, es sei denn mit drückt das Pedal durch, dann gibt es erst mal so eine halbe Sekunde Verzögerung, dann heult die Maschine auf, und dreht relativ lange aus, das Drehmoment ist nur nach und nach spürbar.
Also vielleicht lag es daran, dass ich zuvor zwei reine Elektroautos zum Testen hatte, aber die hatten mir mehr gefallen, diese plötzliche und sofort einsetzende brutale Beschleunigung ist hier nicht zu verspüren, es dauert ein wenig, bis er die knapp 2,2 Tonnen auf 130kmh gebracht hat auf der Autobahn, laut Datenblatt sind es 9,3 Sekunden.
Auch wenn man auf kurvigeren Landstraßen immer wieder mal bremst, vom Gas und wieder ran geht ist das dann doch merkliche Umschalten zwischen den beiden Antriebsarten ein bisschen unangenehm.
Dafür kommt man in den Genuss etwas höherer effektiver Reichweite und gegebenenfalls Spritnachfüllung in ein paar Minuten statt einer Dreiviertelstunde wie beim reinen Stromer.
Trotzdem bleibt fraglich wie lange sich das Konzept des Hybridantriebs noch gegen reine Elektroantriebe wird halten können, auch der Aufwand so etwas zu bauen scheint mir doch beträchtlich.
Am Steuer verhält sich der Santa Fe stehts souverän neutral, man regiert die Straße mit sanfter Hand, wenn es notwendig sein sollte, lässt man eben einen kurzen Brüller los, und gibt sich sonst wie der König der Savanne, äh…Landstraße. Auch in flotteren Kurven bleibt der große SUV stets neutral, es sind kaum Lastwechselreaktionen spürbar, diesen Kollegen bringt man nicht so leicht in den Grenzbereich und mit dem großen Lenkrad zirkelt es sich auch in beengten Bereichen leichtfüßig umher, man würde meinen, dass größere Wendekreise benötigt werden würden, das ist nicht der Fall.
Dafür fehlt ein wenig die Spritzigkeit, das Agile, wenn einen mal ein bisschen der Asphaltteufel reitet, aber ich denke, dass das in der zutreffenden Käufer-Zielgruppe nicht so das Argument ist. Motorische Urgewalt fehlt allerdings auch, dafür bleibt man eben im günstigeren Kostenbereich.
Das Heck ist trotz der stattlichen Länge stets „spürbar“, man weiß und sieht, wo Ende Gelände ist, selbst wenn die Parkpiepser das erst relativ spät ankündigen. Lediglich die Breite, obwohl lediglich um 6cm mehr als mein Alltagsfahrzeug (Ford Focus), fühlt sich in engen Gässchen, vielleicht noch mit Gegenverkehr oder herausragenden parkenden Fahrzeugen ein bisschen abenteuerlich.
Die Geländefahrfunktionen konnte ich in der kurzen Zeit nicht ausprobieren. Zudem bin auch nicht gerade ein Experte auf dem Gebiet. Aber immerhin: es gibt sie. In Form von Geländeanpassung der Traktionskontrolle mittels des „Terrain“ Knopfes, Bergabfahrhilfe und Antriebs-Schlupf Regelung sowie knapp 18 Zentimetern Bodenfreiheit.

Fazit:
Man will hier eindeutig Premium-Flagge zeigen und schielt in Richtung Mercedes GLE, BMW X5 und Konsorten oder auch zu den eingangs genannten Gelände-Experten.
Alles natürlich bei deutlich weniger monetärer Belastung. Die wahren Konkurrenten wird man wohl eher in Toyota RAV4, Honda C-RV und Mazda CX-60 finden.
Ein Rennwagen ist das sicher nicht, dafür fühlt man sich in jedem Moment als „King of the Road“. Stets die Situation immer souverän im Griff, regiert der Lenker über sein automobiles Umfeld. In der Ruhe liegt hier die sprichwörtliche Kraft.
Der Wagen bietet Platz ohne End. Als klassisches Familien-Vehikel würde ich ihn jedoch nicht bezeichnen. Wenn ich da nur an Ketchup Flecken auf den schneeweißen Ledersitzen denke.
Da dies jedoch nur ein Ausstattungsdetail ist, lässt sich beim vorhandenen Platzangebot natürlich jegliches Vorhaben umsetzen.
Wenn also der Hobbyjäger stolz mit ein paar Helfern die erste Wildsau erlegt und in den Kofferraum befördern will, geht der Santa Fe natürlich auch als Jagdwagen durch.
Als Tarnsporter für den Weihnachtsmann ist der Santa Fe jedenfalls das perfekte Vehikel.



































