Wenn wer eine Maturareise tut, so kann Tom was erzählen.

Wenn er seine Stieftochter mit dem Elektroauto nach Zadar fahren lässt, umso mehr! Deren diesjährige Maturareise sollte heuer von Wien nach Zadar gehen – äh fahren. Wir werden hier auch weniger auf technische Belange oder Begrifflichkeiten eingehen. Vielmehr soll im Fokus die tolle Langstrecken- und Reisefähigkeit der neuen Hyundai IONIQ 5 AWD stehen. Alle Daten hatten wir bereits HIER im Artikel.

Stressfaktor?

Was die Mädels erlebt haben, wie sich unser Hyundai IONIQ 5 AWD als einer der modernsten Elektrofahrzeuge derzeit geschlagen hat und wie es mit der öffentlichen Ladeinfrastruktur aussieht – ob und wie hoch der Stressfaktor zum Tragen kam, ob die eine oder andere Mitfahrerin evtl. genervt war: lest selbst.

Es sollte jedenfalls in vielerlei Hinsicht aufregend werden. Zu diesem Abenteuer kamen wir, weil ich in Aussicht stellte, dass keinerlei Spritkosten mit dem Fahrzeug der Freundin anfallen würden. Und dass der IONIQ 5 AWD eine Vielzahl an hervorragenden Reisefeatures wie Schlafsessel an Bord hat. Oder dass bei 35 Grad im Schatten jeder Sitz nicht nur über eine Sitzheizung, sondern eine Sitzkühlung verfügt. Überzeugungsfaktor hoch 10, würde ich annehmen.

Geht es endlich los?

Abgeholt wurde der HYUNDAI IONIQ 5 AWD wie immer beim Importeur direkt. Die Presseabteilung dort erklärt sich uns bei solchen Projekten stets offen gegenüber. Danke, liebe Frau Ullrich für die sehr spontane Zusage dazu!

Nach einigen Tagen mit Akklimatisierungsfahrten im heimischen Gefilde also der Start ins Abenteuer. Kleine Fotosession in Niederösterreich mit Friedrich, einem allseits bekannten Elektromobilisten. Schöne Vergleichsfotosessions mit dem Konzernbruder KIA EV6 plus Darbietung bei anderen KIA oder HYUNDAI Fahrern – das Programm war riesig. (Danke, lieber Gilbert für das auch von euch zur Verfügung gestellte großartige Pressefahrzeug – dazu kommt er Bericht auch sehr rasch, versprochen!)

Überwachung pur

Damit sollte dem eigentlichen Vorhaben – auch mithilfe von ABRP sowie mittels Blue Link nichts mehr im Wege stehen. So mein Plan.

Dass diese Apps das Fahrzeug – zumindest teilweise – komplett überwachen, musste ich aufgrund der Fairness und Transparenz natürlich vorab kommunizieren. Warum ich denn nun zum Teufel eine Überwachung installieren möchte? Schwierige Fragen in schwierigen Zeiten, ich weiss. lassen. Auf die Antwort, dass dies lediglich zur Absicherung für den „waghalsigen“ Trip geplant sei, kam ein entwarnendes „OK“. Hier ist meine Stieftochter dann wahrlich sehr schnell einsichtig gewesen – mein voller Dank gilt auch hier! Im Blue Link sind sämtliche Fahrzeugdaten in Echtzeit abrufbar. Somit werden der jeweilige Ladezustand, die Restreichweite als auch weitere sehr wichtige Daten erfasst und auf Abruf via Handy ersichtlich. Mir ging es in einziger Linie darum, den Damen stets eine Hilfe beim Auffinden einer funktionierende Ladesäule zu sein.

Dank der in unmittelbarer Nähe zum Wohnbereich befindlichen guten Ladeinfrastruktur war der Start vollkommen entspannt. Der IONIQ hat in aller Ruhe vollladen können, so dass ich mir wenig Sorgen machen musste. Die Reichweitenanzeige? 420 Kilometer – das ist ein sehr guter Wert. Insbesondere bei einem Fahrzeug, welches in ca. 18 – 20 Minuten von 20% auf 80% laden kann.

Zusätzliche stundenlange Planung für eventuelle Ladestopps, Oldschool vorab – da sollte nichts schiefgehen. So mein Plan.

Auf in den Süden

Die notwenige Vignette für die Durchfahrt von Slowenien sowie das obligatorische H7 (!) Lampenkasterl wurde besorgt und im Fahrzeug deponiert. Was ich nun damit mache, entzieht sich meienr Kenntnis bei LED Lamperln. – aber was unternimmt man nicht alles für die Experience?

Nach ungefähr einer Stunde Fahrt der erste Call, wo denn geladen werden könne. Ein Kontrollgriff und siehe da: Auto hatte noch 62% Rest Akku. Für mich war zu diesem Zeitpunkt nicht erkennbar, warum hier Hilfe in Anspruch genommen werden sollte. Die geplante erste Ladung war bei Akkustand 30% geplant. Also könnte Frau doch bitte gerne und sehr gut weiterfahren. Für mich reicht der Akkustand noch für eine halbe Weltumfahrung, für Maturantinnen entstehen hier bereits erste Krise. Wahrlich! Was also tun?

Zugegeben, ein absolut langstreckenkompatibles Auto – nicht komplett vollbepackt. Keine Dachbox, vier Personen und wenig Gepäck: da darf man zwar keine Wunder erwarten. Aber das sind keine wirklichen Probleme.

Es ist Urlaub, ab in die Sonne, weiter geht’s. So meine Theorie. Bei drei Mädels im Auto jedoch entwickeln sich da rasch die ersten Erklärungsversuche. Sie sollen dennoch weiterfahren, die Ladestation Nähe Graz käme eh alsbald und es kann nichts passieren.

Wie die Mädels braucht auch der IONIQ 5 AWD einmal eine Pause – schließlich müssen die Akkus – von Mensch und Auto – wieder aufgeladen werden. Der erste Stopp gelang nach dem ersten Telefonat problemlos. Auf die Frage, warum denn nun schon in Graz geladen werden müsse, die obligatorische Info: weil ABRP das so vorschlägt und ihr damit am wenigsten Zeit verliert. Aha, wir kommen dem Ziel, sich dem Auto vertraut zu machen, schon ein sehr gutes Stück näher.

Tanken, Laden, was denn nun?

Die Aussage, dass Frau beim Tanken ja auch von leer auf voll müsse, konnte ich geschickt beantworten mit dem bekannten Umdenken bei Elektrofahrzeugen. Lieber auch einmal mit wenig Rekuperation „segeln“, dafür auch mal die Klimaanlage nicht auf volle Leistung – einige Kilometer sind immer irgendwo herauszukitzeln. So meine Kenntnis – versuch dies einmal…, ich armer Familienvater!

Also ohne Problem geladen mit 120 kW, nun weiter. Der nächste Stopp im Bereich von Maribor.

Mein Handy klingelt. Es würde dringend Unterstützung benötigt. Der Stecker würde nicht funktionieren. Schweißperlen bahnten sich bei mir an. E-Auto fahren ist also manchmal nichts für schwache Nerven – meine Mädels wären allein sicher verzweifelt. An einer Säule stünde bereits ein weiterer IONIQ 5 AWD und hat brav genuckelt. Dem Umstand geschuldet, dass nun meine sachdienliche Expertise die Rettung darstellen könnte, wurde der Aufforderung, den HPC Stecker zum Start etwas festzuhalten und zu drücken, Folge geleistet. Die volle Funktionalität war wieder gewährleistet – mein Blutdruck sank wieder.

Ich erinnere mich: an diesem Lade Park kamen bereits vor Monaten einige Porsche Taycan, Mercedes EQC, Audi E-Tron etc. vorbei – alle hatten scheinbar dort ihre Schwierigkeiten. Langzeitgedächtnis sei Dank!

Nun würden jedoch alle Karten nicht akzeptiert. Alle? Nein, ein kleines Packerl in Gal.., im Ablagefach sollte die Lösung sein. Also gingen wir es – so habe ich es in meiner langen Marinezeit gelernt – nach Plan A an. Alle Karten hatten wir vorab im Ablagefach sortiert hinterlegt. Gereiht nach Wahrscheinlichkeit des Funktionierens in Verbindung mit einem noch annehmbaren Tarif. Siehe da, die zweite – also EnBW – ließ Strom bedingungslos fließen. Auch wenn Pressefahrzeuge meist eine Karte an Bord haben, SMATRICS selbst funktionierte nicht.

Die vor Ort notwendigen 26 Minuten wurden genutzt, um sich etwas näher mit dem Ladeanschluss und den kulinarischen „Köstlichkeiten“ eines berühmten amerikanischen „Restaurants“ zu beschäftigen. Die 50kW Ladesäule tat Ihr aufgetragenes, allerdings waren in ABRP auch schnellere Säulen verzeichnet. Ein wenig mehr Leistung wäre da schon schön gewesen. In Real gab es diese etwa 200 Meter weiter, aber da mussten die Damen nun durch. Warum denn nun der Akku so leer sei und warum es so lange dauere?

Lerne stets dazu!

Meine dazu nicht besonders förderlichen – ich lerne dazu – Statements, dass alles gut werden würde und dass sie alle so tapfer sein und sie eh die besten, tapfer…: “AUS, Ruhe jetzt, wir müssen weiter!“ Na dann.

Die dritte und eigentlich auch geplant letzte Ladesäule war mitten im Nirvana von Kroatien. Eine kleine Umfahrung und sie wäre – eigentlich laut Beschreibung – auch gut beschildert. Da stünde ein gelbes Haus mit einem Traktor als Bild davor. Google Maps mit Fotos sei Dank, so konnten doch viele Dinge – auch mit einem Teen, Twen, wie sagt man? – zeitnah geklärt werden. Was denn hier für eine Karte und welches Bezahlsystem gelte? Antwort: „EnBW“! Die Ladesäule funktionierte dort einwandfrei, allerdings ist Warten und Geduld schon immer eine Tugend – mittlerweile überkamen mich auch hier vermehrt Zweifel. Elektromobilität ist einfach, Erziehung eine ganz andere Sache. Wer Zwillinge hat und als Esel unter 4 Ziegen lebt, weiss, wovon ich rede…

Die fortgesetzte Fahrt ließ die gefühlte Temperatur steigen. Mit jedem Kilometer gen Süden fahren. Vorbei an grünen Hängen, schönen Bergen und kleinen Talschluchten. Die Stimmung im Auto war laut Bericht entspannt. Ihr ahnt es bereits: Schlafsessel, Sitzkühlung und so.

Später, kurz vor Zadar sollte laut meinem Plan ein letztes Mal vor Ankunft geladen werden. So wären die Tage in Zadar stressfrei – frau könte sich dann auf die wesentlichen Belange einer MAturaeise begeben. Auf einem belebten und folglich gut frequentierten Parkplatz grüßten sechs IONITY-Ladesäulen. Hier gab es keinerlei Problem mit der Ladegeschwindigkeit. Alle Säulen waren anfahrbar und somit gab es freie Auswahl. Der Ladevorgang selbst verlief top. In gerade einmal 16 Minuten wurde nachgeladen – so soll´s sein!

Während der Woche in Zadar genügte mir ein einziger Statusabfrage. Der IONIQ 5 lud jeden Abend brav nach und war somit fast immer über 80% Rest Akku.

Die Rückfahrt wurde einen Abend vorher lediglich kurz besprochen. Nach gefühlten zwei Minuten waren alle sicher, dass nicht geschehen könnte. Was soll ich schreiben? Um es kurz und auf dem Punkt zu bringen: ich wurde nicht benötigt. Vielmehr kam zum Vorschein, dass sie ja eh schon wissen, welche Ladestationen am Weg lagen und überhaupt. Hatte die Hinfahrt 7,5 Stunden gedauert, gelang die Rückfahrt – ganz ohne Hilfe! – 6 Stunden. Da sag noch eine, das ginge nicht.

Der Fairness halber muss ich hinzufügen, dass auf der Hinfahrt die Prognose der maximalen Reisegeschwindigkeit von 130 km/h mit maximaler Toleranz in Höhe von 10% nicht eingehalten wurde. Dies ist jedoch entscheidend, da die Berechnungen zwar generell auf ABRP sehr konservativ angelegt werden, gewisse Abweichungen jedoch streng geahnt werden. Insbesondere dann, wenn nach dem letzten Laden zuvor viele Steigungen auf der Strecke lagen.

Ladeinfrastruktur oder was?

Als überzeugter Elektro Mobilist weiss ich, dass sich insbesondere in Bezug auf die funktionierende und anzahlmäßig ausreichende Ladeinfrastruktur noch ein hohes Maß an Optimierung ändern muss.

Als Stiefpapa einer Maturantin wurde ich an diesem Tag minütlich eines Besseren belehrt, dass die Ladegeschwindigkeit das weitaus relevantere Problem – zumindest subjektiv betrachtet – vor Ort darstellt. Wir lernen gerne dazu. Genau aus diesem Grund lassen wir die Damen auch fahren. Es bringt wenig, innerhalb der Elektromobilistenblase – zudem rein technisch basiert – zu agieren. Wenn wir Menschen pro nachhaltiger Mobilitätskonzepte animieren wollen, müssen wir auch konkrete Lösungen für ganz individuelle Probleme haben. Und genau diese ergeben sich bei uns im Umgang mit Interessenten tagtäglich zuhauf. Erst gestern hatte ich eine sehr lange und ausführliche Unterhaltung auf Social Media, dass das Fahrzeug nicht ersetzt werden könne, 6 Kinder, 3,5 Tonnen und die Urlaubsfahrt – etc. etc. Ich habe minütlich und geduldig jedes individuelle Problem erörtert, aus der Welt geschafft, Mythen bereinigt und siehe da: heute geht die Dame zum Händler. Mit einem erweiterten Bewusstsein und Wissensstand als einen Tag zuvor.

Zadar in Kroatien ist vielen Urlaubern bekannt. Es würde den Rahmen sprengen hier alles, auch von meinen eigenen Besuchen zu erzählen. Mir wurde berichtet, dass es sich abends im Ortskern sowie am hauseigenen Pool gut leben ließ. Warme Sommerabende, zahlreiche Menschen aller Altersgruppen ließen angeblich eine entspannte und vielseitige Stimmung bei Unterhaltung und Kulinarik zurück. Alle weiteren Belange wurden von meiner Seite weniger hinterfragt.

In den ersten beiden Tagen wurde versucht, bei Kaufland zu laden. Nach der Prämisse, „steht sie, lädt sie“ sollte so wenig Extrazeit dafür aufgebracht werden. Allerdings schien diese Ladestation nicht zu funktionieren oder sie war sehr langsam. Genau konnte man mich nicht unterrichten. Ich nehme letzteres an. Wie dem auch sei, der HYUNDAI IONIQ 5 AWD konnte abends direkt am Haus via Hausstrom geladen werden. Als wenn ich es geahnt hätte, hatte ich ein Verlängerungskabel mit eingepackt. Hierfür wurde vom Unterkunftsgeber weder etwas berechnet noch urgiert, daher meine volle Empfehlung! Der IONIQ 5 AWD wurde einmal am Abend via Blue Link kontrolliert. Steht er noch in Zadar oder ist er längst unterwegs auf einem Lastkraftwagen?

An dieser Stelle sei persönlich angemerkt: tagtäglich werde ich konsultiert mit Fragen wie „was macht man eigentlich während der langen Ladevorgänge?“ Als Antwort gebe ich dann: das Timing des Ladens auf längerer Reise sollte vorab gut geplant werden. Bei den ca. 20- bis 30-minütigen Ladevorgängen kann jeder seinen Grundbedürfnissen nachgehen. Füße vertreten, Cafe trinken oder einfach mal ausspannen. Bei über 600 Kilometern ist es vollkommen irrelevant, ob man 30 Minuten mehr benötigt. Wer diese regelrechte Entschleunigung kennt, wird diese sehr rasch auch sehr schätzen.Dann stellen sich keine weiteren Fragen.

Technische Daten des Redaktionsfahrzeuges:

2 permanentmagneterregte Synchron Elektromotoren

305 PS Allrad / 605 Nm Drehmoment

Beschleunigung auf 100 km/h 5,2 Sek.

Maximale Ladeleistung 220 kW

Batteriekapazität 72,6 kWh

Reichweite nach WLTP 432 – 462 km

Mehr Infos zum Fahrzeug unter HYUNDAI IONIQ 5

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